Kristina Tröger ist die bekannteste Netzwerkerin und Förderin von Frauen in Hamburg. Vor zwei Jahren gründete sie den Club europäischer Unternehmerinnen, der heute mehr als 700 Frauen europaweit vernetzt. Sie empfängt in ihrem Büro in Volksdorf; von hier aus führt sie ein Immobilienunternehmen mit ihrem Mann, der kurz grüßt und sich dann ins Nebenzimmer zurückzieht.

DIE ZEIT: Frau Tröger, Sie sind eine der wenigen Hamburger Unternehmerinnen, die einem Interview in dieser Serie zugestimmt haben.

Kristina Tröger: Das wundert mich nicht. Wenn man eine Frau anruft und ihr eine Aufsichtsratsposition anbietet, sagt sie: "Also, ich weiß nicht – wie sind Sie auf mich gekommen? Ich weiß gar nicht, ob ich das schaffe, ob ich dafür genügend weiß, ich muss mit meiner Familie sprechen." Der Mann sagt: "Ja, toll, klasse, mache ich. Wann können wir uns treffen?"

"Ich wollte nicht weniger verdienen als ein Mann in dieser Position."
Kristina Tröger, Unternehmerin und Netzwerkerin

ZEIT: Wie reagieren Sie bei einem solchen Anruf?

Tröger: Ich habe nie gezappelt. Ich sitze in einem Aufsichtsrat und in einigen Beiräten. Ich hatte schon immer ein hohes Risikobewusstsein. Mein erster Job war der der Vorstandsassistentin des Kaufhof-Konzerns. Ich wurde vom Vorstand zum Mittagessen eingeladen – ausschließlich Männer, Mitte der Achtziger gab es keine Frauen in den Vorständen. Irgendwann kam die entscheidende Frage: "Was wollen Sie denn mal mittelfristig werden?" Ich sagte: "Das, was Sie sind."

ZEIT: Mutig.

Tröger: Ich habe auch mein Gehalt selbst festlegen dürfen. Ich habe eine sehr hohe Summe genannt. Hinterher haben mein späterer Mann und meine Familie gesagt, ich sei verrückt geworden.

ZEIT: Von wie viel Geld sprechen wir?

Tröger: Von einem Gehalt aus dem mittleren Management. Ich weiß noch, dass die Vorstände fragten: "Und dann wollen Sie wahrscheinlich auch noch einen Firmenwagen?" Ich: "Ja!" Ich habe alles bekommen.

ZEIT: Woher nahmen Sie mit Mitte 20 dieses Selbstbewusstsein?

Tröger: Ich hatte immer eine Vision für mich: Ich wollte nach dem Studium relativ schnell in eine gehobene Position in der Wirtschaft und mich nicht unterbezahlen lassen. Ich wollte nicht weniger verdienen als ein Mann in dieser Position. Viel war aber auch Glück: Ich habe immer jemanden gefunden, der daran glaubte, dass ich schaffe, was ich mir vorgenommen hatte.

ZEIT: Wer hat Sie diese Zielstrebigkeit gelehrt?

Tröger: Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass man seine Wünsche formuliert. Ich wurde zu Hause oft aufgefordert: "Nu sag doch, was du willst!" Ich denke, es ist auch heute wichtig, Kindern beizubringen, dass sie auf freundliche Art artikulieren, was sie wollen – dann kann man darüber verhandeln.

ZEIT: Was haben Ihre Eltern beruflich gemacht?

Tröger: Mein Vater war Arzt, meine Mutter war – wie heißt das korrekt? Mutter. (lacht)

"Schon als Kind wollte ich mein Leben selbst bestimmen."

ZEIT: Haben Ihnen Ihre Eltern alle Wünsche erfüllt?

Tröger: Nein. Wir haben viel diskutiert. Ich bin die jüngste von drei Schwestern, ich habe meine Stärke auch dadurch, dass ich letztlich drei Mütter hatte, die mir immer gesagt haben, was ich tun sollte. Dagegen musste ich angehen. Ich bin auch oft nach meiner Haltung gefragt worden. Mein Vater hat uns beigebracht, dass wir auch mal Sand im Getriebe sein müssen. Dass man nicht alles hinnehmen muss und seinen eigenen Weg finden soll. Schon als Kind wollte ich mein Leben selbst bestimmen. Mit fünf habe ich meinen Schwestern erklärt, dass ich meine sehr langen Haare nur noch selbst wasche und darum bitte, das Badezimmer zu verlassen.