Gleich zu Dutzenden flitzen sie über die Teerbahnen des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof: Scooter, Skateboards, Tretroller und allerhand weitere ein-, zwei- oder dreirädrige Gerätschaften. Das Tempo ist hoch, doch bewegen müssen sich die Fahrer kaum. Die Mikromobile werden von leise surrenden Elektromotoren angetrieben und mit einer leichten Verlagerung des Körpergewichts oder einer kleinen Lenkstange gesteuert. Seit fünf Jahren kommen sie in immer neuen Varianten auf den Markt, fast immer entwickelt und hergestellt in China. Baumärkte und Internet-Shops verkaufen sie zu Preisen zwischen 500 und 2.000 Euro.

Benutzen darf man sie in Deutschland bisher fast nirgendwo. Auf dem Tempelhofer Flugfeld werden sie geduldet, aber auf öffentlichen Straßen und Plätzen sind sie verboten. Doch das soll sich bald ändern. Das Bundesverkehrsministerium hat den Entwurf einer sogenannten Elektrokleinstfahrzeugeverordnung vorgelegt, 15 Paragrafen, 13 Anlagen und 25 Seiten Erläuterungen. Anfang kommenden Jahres sollen die Vorschriften in Kraft treten.

Nach dem Entwurf der Verordnung müssten aus den Lenkern links und rechts Blinker ragen, sie dürften nicht schneller als 20 km/h fahren, keinen Anhänger ziehen und nur von Menschen benutzt werden, die mindestens einen Mofaführerschein haben. Für unter 15-Jährige wären sie damit tabu. Dabei sind gerade Kinder und Jugendliche besonders geschickt im Umgang mit den neumodischen Elektromobilen – und bei vielen werden sie in diesem Jahr auf dem Weihnachtswunschzettel stehen.

Jeder, der aktuell über ein solches Geschenk auch nur nachdenkt, muss allerdings wissen: Derzeit gibt es bis auf den Segway kein Modell, dessen Einsatz in Deutschland legal wäre. Die bald geltenden Regelungen kann kein existierendes Fahrzeug erfüllen. Und wenn etwas passiert, kann das Schwarzfahren den E-Fun ruinös teuer machen.

Angesichts des Verordnungsentwurfs plädiert allerdings sogar der TÜV-Verband für entspanntere Regeln: "Elektrotretroller sind Teil des zukünftigen Mobilitätsmixes. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln, um kürzere Distanzen in einem urbanen Umfeld zurückzulegen." Wichtig sei deshalb insbesondere eine Mitnahmemöglichkeit in Bus und Bahn, so der TÜV. Doch gerade die könnte an den neuen Regeln scheitern. Denn sie definieren Ministromer als Kraftfahrzeuge, und die dürfen bei den meisten Nahverkehrsunternehmen und der Deutschen Bahn nicht mitgenommen werden – auch dann nicht, wenn sie auf Rollkofferformat zusammengeklappt werden können.

Schwer nachvollziehbar ist, warum sich der deutsche Entwurf in vielen Details von dem unterscheidet, was in anderen europäischen Länder längst gang und gäbe ist. Dort dürfen Ministromer zum Beispiel 25 km/h schnell fahren, fünf mehr als hierzulande geplant. "Weil sich die Hersteller daran orientieren, gibt es derzeit kein einziges Gerät auf dem Markt, das die neuen deutschen Regeln erfüllen würde", sagt Marcel Hutfilz, Gründer und Geschäftsführer des auf Miniscooter spezialisierten Berliner Geschäfts Scooterhelden. Er schimpft über die "totale Überregulierung".

Besser sieht es auch nicht für die selbstbalancierenden Fahrzeuge ohne Lenkstange aus, sogenannte Hoverboards und Monowheels, die man freihändig fahren und nur durch Gewichtsverlagerung steuern kann. In den meisten Ländern bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone, in Deutschland sollen sie auch in Zukunft verboten bleiben. Dabei versprechen gerade Monowheels großen Spaß auf einem Rad. In Kalifornien etwa sind sie weit verbreitet, und ihre Nutzung ist im Straßenverkehr erlaubt, allerdings nur mit Sturzhelm und Beleuchtung.

Lange Zeit wurden die Ministromer in Deutschland geduldet

Viel einfacher – wenn auch nicht ungefährlicher – ist die Benutzung elektrischer Tretroller. Wie im litauischen Vilnius oder in Österreichs Hauptstadt Wien werden sie bereits in vielen europäischen Städten für ein paar Euro in der Stunde von Mietfirmen angeboten. In San Francisco aber hatten sie derart überhandgenommen, dass sie im vergangenen Jahr komplett verboten wurden. Inzwischen haben zwei Anbieter eine exklusive Lizenz mit strengen Auflagen zum Betrieb eines E-Tretroller-Mietsystems bekommen.

Besonders beliebt sind die zusammenklappbaren Flitzer in Paris. Dort drängeln sie sich überall durch den Dauerstau. Die Folge: fast 300 Verletzte und fünf Todesfälle allein im vergangenen Jahr.

In Deutschland hat die Polizei die Ministromer lange Zeit geduldet. Doch inzwischen werden sie immer häufiger konfisziert. Und das kann teuer werden. Denn neben einem kostenpflichtigen technischen Gutachten drohen auch ein Bußgeld und Strafpunkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei. Und wer mit einem illegalen Ministromer einen Unfall verursacht, haftet in voller Höhe mit dem eigenen Vermögen. Die normale Haftpflicht zahlt nicht, und versichern lassen sich die Geräte auch nicht.

Da ist der einzige seriöse Ratschlag an jeden Interessierten: erst einmal kein E-Fun-Gefährt zu kaufen. Vielleicht gibt es im kommenden Jahr dann legale Optionen. Seit die geplanten strengen Regeln publik wurden, hat allerdings auch die Suche nach Schlupflöchern begonnen. Auf YouTube demonstriert ein deutscher Techniktüftler unter dem Pseudonym Bitluni zum Beispiel, wie man mit einem E-Tretroller zum legalen Verkehrsteilnehmer werden kann. Dafür macht er sich einen Ausnahmepassus im Straßenverkehrsgesetz zunutze, der eigentlich für elektrisch unterstützte Fahrräder, sogenannte Pedelecs, gedacht ist. Die sind ohne spezielle Zulassung im Straßenverkehr erlaubt, solange sie höchstens 25 km/h fahren und ausrollen, "wenn der Fahrer im Treten einhält". Und genau das tut auch der umgebaute E-Tretroller. Er beschleunigt nur dann elektrisch, wenn er regelmäßig mit dem Fuß Schwung bekommt.

Einen ähnlichen Trick nutzt das Münchener Start-up Urmo. Es hat bereits mit dem Verkauf eines sechs Kilo leichten sogenannten E-Floaters begonnen. Er fährt auf zwei Rädern bis zu 15 km/h, wird durch Gewichtsverlagerung gesteuert und kann mit einem schnellen Handgriff auf Aktenkoffergröße zusammengeklappt werden. Für deutsche Kunden wird das eigentlich freihändig zu nutzende Gefährt mit einer zusätzlichen Haltestange ausgeliefert. Die hat zwar keine Funktion, wird in der künftigen Verordnung jedoch in Paragraf 1 als Zulassungsvoraussetzung genannt.

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