Als Präsident Donald Trump vergangene Woche den chinesischen Staatschef Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels in Argentinien zum Abendessen traf, brachte er jemanden mit: seinen Mann für Handel und Grobes, Peter Navarro. Das ist insofern bemerkenswert, als Navarro ein erklärter Gegner Chinas ist. Die Chinesen seien "moralisch degeneriert", hat er einmal gesagt, und die größte Bedrohung des Weltfriedens seit Nazi-Deutschland. Zwei Bücher hat er über China geschrieben. Titel: Den Drachen konfrontieren und Tod durch China. Dazu passte Trumps Drohung noch kurz vor dem Dinner, sein Land mit Strafzöllen von 25 Prozent auf Waren aus China zu schützen.

Doch nach dem Essen zeigte Trump sich gnädig und räumte den Chinesen einen Aufschub von 90 Tagen ein, um weiterzuverhandeln. Wenn China sich dann bereit erkläre, den Amerikanern entgegenzukommen und aus seiner Sicht schändliche Praktiken wie den Diebstahl von Technologie und unfairen Handel zu beenden, dann seien die Zölle vom Tisch.

Das klingt nach Annäherung. Doch tatsächlich ist der Handelskrieg nur ausgesetzt. Besonders deutlich machte das Navarro. "Worte sind Schall und Rauch", sagte er über die angeblichen Zusagen der chinesischen Delegation. "Wir wollen nachweisliche, umgehende Änderungen nach Ablauf der Frist."

Peter Navarro ist nicht irgendein Präsidentenberater. Er ist der Mann des US-Präsidenten für Handelsfragen. Für ihn schuf Trump sogar einen neuen Posten im Weißen Haus. Er darf sich Direktor für Handel und Industriepolitik nennen. Zwar sitzt Navarro nicht am Kabinettstisch, rein formell hat er wenig zu sagen. Dafür hat er aber etwas, das im Weißen Haus des Donald Trump wichtiger ist als jeder Posten: Der Präsident hört ihm zu.

In Navarro hat Trump einen Mann gefunden, der ähnlich denkt wie er. Einen, der nach eigener Aussage im Supermarkt kontrolliert, ob auf den Etiketten der Produkte "Made in China" stehe und sie dann lieber im Regal lasse.

Navarro soll Trump nun Ideen liefern, wie man die Amerikaner zu Menschen wie Navarro macht, wie man sie dazu bringen kann, amerikanische Produkte zu kaufen - und welche Politik Unternehmer dazu bringt, Amerikaner anzustellen. Es geht dabei um eines von Trumps zentralen Wahlversprechen: die Schaffung klassischer Industriearbeiter-Jobs. Navarro sieht, ganz wie sein Chef, die Verantwortung dafür im Ausland, neben China ist einer seiner liebsten Gegner Deutschland, das mehr Waren nach Amerika verkauft, als es von dort importiert.

Navarro wuchs an der Ostküste auf. Nach der Scheidung seiner Eltern zog seine Mutter, eine Sekretärin, ihn und seinen Bruder allein auf. Als Schüler an der Highschool habe er viel gejobbt, schreibt er in seinen Memoiren, und auf dem Sofa im Wohnzimmer geschlafen. Dank eines Stipendiums konnte er studieren. Danach schloss er sich für drei Jahre dem Friedens-Corps an, zog nach Thailand, wo er mit einem Bulldozer Fischteiche aushob. Danach ging er an die berühmte Harvard-Universität, promovierte in Wirtschaftswissenschaften und lehrte später an der University of California in Irvine.

Zwischenzeitlich versuchte Navarro sich in der Politik. In seiner Wahlheimat San Diego kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters, des Stadtrats, versuchte sogar Abgeordneter in Washington zu werden. Jedes Mal vergeblich. Aber er ist, so schreibt er in seinen Erinnerungen, stolz darauf, dass die Leute ihn dort als "den grausamsten und gemeinsten Hurensohn" in Erinnerung haben, "der jemals in San Diego für ein öffentliches Amt kandidiert hat".

Nach seinem erfolglosen Ausflug in die Politik versuchte sich der Professor als Börsenguru, trat im Fernsehen auf, gab Tipps, wie man reich werden kann. Daraus entstand 2004 das Buch mit dem Titel Wenn es in Brasilien regnet, dann kaufe Starbucks.