Roger Moore in Moonraker würde jetzt nur eine Augenbraue heben. Aber der war ja auch James Bond. Ich dagegen fotografiere gleich drauflos wie ein Teenager. Was da plötzlich vor mir in den Kölner Himmel ragt, mutet an wie ein gigantisches Spaceshuttle aus Stein. Da kann man schon mal die Beherrschung verlieren.

Drinnen dann muss ich mich zusammenreißen, sonst würde ich das Handy nicht mehr aus der Hand legen. Über der Lobby des 25hours Hotel The Circle schwebt eine kreisrunde Rippendecke aus Stahlbeton, die aussieht wie eine illuminierte Riesenturbine. Auf einem Diwan döst eine Schaufensterpuppe im Kosmonautendress, die kugeligen Sitzgruppenmöbel stammen sicher von der Kommandobrücke eines Raumschiffs. Und als sei das nicht genug, erklärt im Eingangsbereich noch ein Roboter auf Knopfdruck, wo man sich hier befindet.

Ein Blick auf den Schriftzug über der Rezeption würde dafür reichen. Er nennt den Versicherungskonzern Gerling, der den Turm 1966 als Teil seiner Hauptverwaltung errichten ließ. Man kennt sie in Köln als das Gerling-Quartier: ein Ensemble eleganter, etwas großmannssüchtiger Bauten aus Muschelkalk und eins der größten Baudenkmäler der frühen Bundesrepublik. 2006 wurde der Konzern verkauft, aus dem "Quartier" wurde ein Areal mit Wohnungen und Büros. Die Eröffnung des Hotels vor wenigen Monaten war die Krönung dieser Umwandlung.

In meinem Zimmer werfe ich mich erst mal aufs Bett. Dort überkommt mich bald das Gefühl, die Innenarchitekten seien in der Zeit zurückgereist, um meine Bude aus Kindertagen nachzuempfinden. Alles, was ich sehe, ist eine Hommage an die Vorliebe der Wirtschaftswunderjahre, sich die Zukunft in schwärmerischen Farben auszumalen. Auf dem Boden liegt ein sternenübersäter Teppich im Weltall-Look, der bauchige Nachttisch scheint von einem Raketentriebwerk inspiriert zu sein. Es gibt einen Haufen USB-Anschlüsse, aber auch ein Telefon mit Wählscheibe und ein im Vintage-Stil gekacheltes Bad.

Die Hotelkette 25hours hat zwölf Häuser, in deren je eigenem "Thema" sich der Standort spiegeln soll. Damit ist sie so erfolgreich, dass jetzt nach dem deutschsprachigen Markt weitere dran sind. Demnächst eröffnen Paris, Florenz und Dubai. Welche Geschichte das Design in den Emiraten erzählen wird, steht noch nicht fest. Das Drehbuch für das kühne Gerling-Quartier lag indes auf der Hand: Es heißt Retrofuturismus.

Schreibtische gibt es im ehemaligen Verwaltungsbau kaum. Wer arbeiten will, kann das im Coworking-Space tun. Dort, im hinteren Teil der Lobby, bekommen nicht nur Hotelgäste Snacks und superschnelles Internet, sondern auch Kölner, die gern auf Digitalnomade machen. Sie gehören gewissermaßen zum Interieur: Das Hotel will sich so eine Extraportion Lokalkolorit ins Haus holen. Von einer organisch zerfließenden Sofalandschaft aus bestaune die Arbeitsplätze. Gut, dass ich meinen Rechner im Zimmer gelassen habe. Mit meinem Maulesel von Laptop käme ich mir unter den Coworking-Cowboys uncool vor. Ob sie von hier sind, kann ich nicht fragen: Sie tragen übergroße Kopfhörer.