Man muss es sich immer wieder vor Augen halten: Der Papst ist nicht der Vorsitzende einer liberalen Vereinigung, sondern der katholischen Kirche. Je mehr aber sich Leute vom Glauben entfernen, desto stärker hoffen sie auf ein Wunder. Das soll Franziskus vollbringen – am besten per absolutistischem Dekret. Warum hat er nicht längst die Demokratie von oben herab eingeführt?

Wenn bei der nächsten Kurienreform im Januar keine vatikanische Glasnost und keine Perestroika herausspringt, wenden sie sich enttäuscht von einer Institution ab, von der sie ohnehin gar nichts mehr erwartet hatten.

Die Kritiker tröstet vielleicht die Nachricht, dass mehrere deutsche Bistümer Laien stärker an Führungsaufgaben beteiligen wollen. Im Erzbistum München zum Beispiel soll die Verwaltung zukünftig nicht mehr, wie in der Kirche üblich, von einem geweihten Priester im Amt des Generalvikars geleitet werden.

Ende November verkündete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, in Rom, dass im Erzbistum München ab Januar 2020 eine Frau oder ein Mann aus dem Laienstand das Amt ausüben werde. Die Revolution hat also noch ein Jahr Zeit, sich warmzulaufen. Dass dem Generalvikar die operative Verwaltungstätigkeit aus den Händen genommen wird und er sich fortan mehr auf thematische, inhaltliche und theologische Fragen kaprizieren darf, heißt in der Praxis: Das Buch der Bücher wird zu seinem Kerngeschäft, die Buchhaltung machen andere. Wie die Aufgaben in einem gesplitteten Ordinariat organisiert werden, wer da wem unterstellt wird, zeichnet sich erst allmählich ab. Bisher vermeldete das Erzbistum: "Der Generalvikar wird zwar eine dienstliche Aufsicht über den Chef oder die Chefin des Ordinariats ausüben, aber nicht dessen oder deren Vorgesetzter in Fragen der Verwaltung sein." Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll die Stelle ausgeschrieben werden, so lange wird an deren Profil noch gearbeitet.

Das Bistum Limburg wiederum, das durch seinen Prunkbischof über die Grenzen hinaus bekannt wurde, war nicht gerade eine Hochburg der Transparenz und der demokratischen Partizipation. Der dortige Bischof Georg Bätzing kündigte an, er wolle das beratende Stimmrecht des Diözesanrates bald in ein entscheidendes umwandeln. Unterliegen dann Luxus-Badewannen einer rätemäßigen Abstimmung? Sicher ist, dass nur Fragen, die "alle betreffen", verhandelt werden, die die verbindliche Glaubens- und Rechtsordnung der Kirche nicht tangieren. Frauenpriestertum und Zölibat fallen also nicht unter die neue Mitbestimmung.

Im Vatikan hat erst jüngst eine Laiin den Posten eines Geistlichen übernommen. Im Bistum Osnabrück leitet der erste Laie eine Pfarrei. Das Notwendige, schrieb der Philosoph Hegel, "setzt sich immer zufällig durch".

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