DIE ZEIT: Herr Adams, Sie stellen in England das Regalsystem des deutschen Industriedesigners Dieter Rams her und liefern es unter anderem nach Deutschland. Haben Sie schon nachgeschaut, wie hoch Zölle für Möbel liegen, falls Großbritannien ohne ein Abkommen aus der EU austritt?

Mark Adams: Nein, das habe ich noch nicht. Wir können jetzt ohnehin nur noch hoffen.

ZEIT: Worauf hoffen Sie?

Adams: Auf Chaos.

ZEIT: Noch mehr Chaos? Reicht Ihnen das nicht: Die Regierung hat keine Mehrheit für den Brexit-Deal, der über Monate hinweg in zähen Gesprächen ausgehandelt wurde. Eine Abstimmung darüber musste am Dienstag verschoben werden. Die Konservative Partei ist heillos zerstritten. Labour findet keine gemeinsame Position. Auf der Straße demonstrieren Brexit-Gegner und Befürworter. Und Sie wollen noch mehr Chaos?

Adams: Ja, noch mehr Chaos. Wir brauchen das Chaos. Und zwar jetzt. Vielleicht verstehen dann einige Leute, dass die Sache mit dem Brexit eine ganz schlechte Idee ist. Ich hoffe, dass durch das Chaos am Ende die Vernunft siegt und es ein zweites Referendum geben wird. Viele wussten doch nicht, wofür sie 2016 abgestimmt haben. Die Brexit-Befürworter haben alles vereinfacht. Doch über die schlimmen wirtschaftlichen Folgen wurde nie richtig debattiert. Deshalb hoffe ich auf Chaos. Besser, wir haben das Chaos heute und nicht am 29. März nächsten Jahres, wenn wir die EU verlassen.

Mark Adams © Oliver Hess/ vitsoe

ZEIT: Wissen Sie schon, wie Sie nach diesem Datum Ihre Regale über den Ärmelkanal kriegen, falls ein harter Brexit kommt?

Adams: Um ehrlich zu sein, wir wissen es noch nicht. Klar, wir wissen, wie man Möbel verpackt und verschickt. Aber wir wissen noch nicht, welche Regeln nach dem Brexit gelten werden. Wir wissen überhaupt nicht, was passieren wird. Niemand weiß das.

ZEIT: Es sind noch rund 120 Tage, ehe Großbritannien aus der EU austritt. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Adams:(lacht) Uns darauf vorbereiten? Das kann man nicht.

ZEIT: Warum nicht?

Adams: Weil noch niemand weiß, wie dieser Austritt vonstatten gehen wird. Ob er geregelt abläuft, oder ob wir aus der EU rausfallen. Momentan profitieren wir noch vom gemeinsamen Markt. Es macht keinen Unterschied, ob wir ein Regal nach Liverpool, Stuttgart oder Madrid liefern. Es gelten überall dieselben Regeln, es müssen keine Zölle gezahlt werden. Tritt Großbritannien auf Grundlage des jetzt ausgehandelten Abkommens aus der EU aus, dann könnte das vielleicht noch eine Weile so weitergehen. Aber falls es zu einem harten Brexit kommt, dann müssten unsere Lieferungen nach Europa künftig durch den Zoll.

ZEIT: Was wäre daran so schlimm?

Adams: Es würde uns Geld kosten, und es würde mehr Aufwand bedeuten. Klar, auch das würden wir schaffen. Aber in gewisser Weise wäre es ironisch: Wir sind eine britische Firma mit einem dänischen Namen, die in Deutschland gegründet wurde, um die Entwürfe eines deutschen Industriedesigners herzustellen – und ausgerechnet bei Lieferungen nach Deutschland und Dänemark müssten wir mehr Aufwand betreiben.