Nur in wenigen Ländern ergeht es Migranten offenbar schlechter als in Deutschland. Hierzulande müssen sie häufiger als anderswo Arbeiten erledigen, für die man kaum eine Vorbildung braucht und die eher gering bezahlt sind – putzen, spülen, kellnern. Im deutschen Niedriglohnsektor schuften überproportional viele Migranten, so meldeten es Anfang der Woche viele Medien. Grundlage war eine Studie der Industrieländerorganisation OECD. Danach scheint die Integration von Zuwanderern – ob Flüchtlinge oder andere Migranten – in Deutschland besonders miserabel zu laufen.

Tatsächlich gibt es einige alarmierende Signale. Sieben von zehn im Ausland geborenen Einwohnern sind hierzulande in einem Job beschäftigt, der nach OECD-Maßstab eher zum unteren bis mittleren Anforderungsniveau gehört. Nur in wenigen anderen Ländern sind Migranten noch häufiger auf solche einfachen Arbeitsplätze angewiesen (etwa in Griechenland, Italien oder Spanien). Dagegen verdingen sich Einwanderer in Großbritannien, der Schweiz oder Australien deutlich seltener in solchen Jobs. Dort macht das nur etwa jeder zweite Zuwanderer.

Erklären lässt sich das nicht etwa dadurch, dass auch die Einheimischen in Deutschland besonders oft als Hilfsarbeiter tätig wären. Im Gegenteil, das ist sogar seltener der Fall als im OECD-Durchschnitt. Der Gegensatz zwischen den Einheimischen, die eher hoch qualifizierte Berufe ausüben, und den Ausländern, die sich als Hilfskräfte durchschlagen, ist in der Bundesrepublik stärker ausgeprägt als anderswo.

Steckt dahinter Diskriminierung? Oder ein Mangel an Sprachkursen und ähnlichen Fördermaßnahmen? Möglich. Die OECD-Studie gibt darüber keine Auskunft. Allerdings zeigen die Daten, dass die Einwanderer, die nach Deutschland kommen, auch besonders schlecht qualifiziert sind. Knapp 35 Prozent von ihnen haben maximal einen Haupt- oder Realschulabschluss. Zum Vergleich: Im OECD-Durchschnitt verfügen nur 27 Prozent der Migranten über so ein eher einfaches Bildungsniveau. Genau umgekehrt sieht es bei den höheren Abschlüssen aus: Von den Migranten in Deutschland haben knapp 23 Prozent ein Hochschulstudium abgeschlossen oder eine dem Meistertitel vergleichbare Ausbildung absolviert, während es im Schnitt aller OECD-Migranten beachtliche 37 Prozent sind. Womöglich spiegelt sich in diesen Zahlen, dass Kanada, Australien und andere Staaten sich gezielt Einwanderer mit guter Ausbildung in ihr Land holen.

Auch bei den Sprachkenntnissen schneiden die hiesigen Migranten eher schlecht ab. Während im OECD-Schnitt zwei Drittel der Zuwanderer fortgeschrittene Kenntnisse der Sprache ihres Gastlandes besitzen, ist das nur bei etwas mehr als der Hälfte (58 Prozent) der Einwanderer in Deutschland der Fall. Ob das die Folge eines Integrationsversagens ist oder diese Migranten schon mit besonders wenig Kenntnissen nach Deutschland gekommen sind, lässt sich den Zahlen nicht entnehmen. So oder so dürften sie wenig Chancen haben, beruflich aufzusteigen, wenn sie die Sprache nicht beherrschen.

Während die hiesigen Migranten im weltweiten Vergleich also eher unterdurchschnittlich gute Bildungsvoraussetzungen aufweisen, sind die einheimischen Deutschen überdurchschnittlich hoch gebildet. Sie gehören praktisch zu den Strebern der globalen Gesellschaft. Die Kluft zwischen den beiden Gruppen ist hierzulande also besonders groß. Damit ist die Basis für noch mehr Einkommensungleichheit gelegt, wenn es nicht gelingt, die Zuwanderer in besser bezahlte Jobs zu bringen.

Bisher klappt das selbst bei den höher qualifizierten Einwanderern nicht gut, wie die OECD-Zahlen verraten. Fast jeder Dritte (31,4 Prozent) ist in einem Job beschäftigt, für den er überqualifiziert ist. Das ist zwar ein etwas geringerer Wert als im OECD-Durchschnitt, der bei 35,1 Prozent liegt. Aber die Zahlen deuten doch darauf hin, dass bei vielen Migranten noch mehr möglich wäre.

Die insgesamt gute Arbeitsmarktlage in Deutschland überdeckt derzeit die Probleme bei der Integration von gering qualifizierten und sogar von gut qualifizierten Migranten. Immerhin haben hier viele überhaupt eine Arbeit – zwei Drittel der im Ausland geborenen sind erwerbstätig (68 Prozent). Das ist ein bisschen mehr als im OECD-Durchschnitt (67 Prozent) und deutlich mehr als etwa in Italien (60 Prozent), in Belgien oder in Frankreich (jeweils 57 Prozent). Doch wenn die Konjunktur sich verschlechtert, könnten auch hier die Defizite für Konfliktstoff sorgen.