Es war noch hell, als mir dämmerte, dass ich mich verlaufen hatte. Ich war an einem Winternachmittag in eine dieser Bilderbuchlandschaften Arizonas hineingewandert, wie John Ford sie geliebt hat: rote Sandsteintürme, krumm gewachsene Kiefern, tiefe Canyons. Dann war es fünf, und plötzlich war ich nicht mehr sicher, ob der Berg, auf den ich zulief, tatsächlich der Berg war, hinter dem mein Auto wartete. Und ob ich überhaupt noch auf dem Rundweg war. Oder eher auf einem Wildpfad. Im Sand vor mir waren Spuren von Antilopen und Kojoten zu sehen. Aber kein einziger Schuhabdruck.

Soll man eine Navi-App auf sein Smartphone laden? Gute Frage. Auf den meisten Handys ist ja sowieso schon eine. Android-Geräte haben in der Regel Google Maps vorinstalliert; Apples Programm nennt sich: Karten. Beide sind in Deutschland bei Millionen Autofahrern im Einsatz. Und funktionieren prima. Auch Here WeGo, Scout oder Sygic (jeweils für IOS/Android) sind wunderbare Helfer, um sich durch die verstopfte Altstadt von Catania leiten zu lassen oder in Warschau die Kazimierza Siemienowicza 223a zu finden. Dort aber, wo es keine Straßen mehr gibt, kapitulieren die meisten dieser Navigations-Apps.

So zum Beispiel in Arizonas Wüste: Ich aktivierte damals erst einmal die Ortungsdienste (ja, erst dann, ich bin einer dieser Privatsphären-Verfechter, von denen Sie immer lesen) und öffnete anschließend Google Maps. Auf der Karte wurde mein Standort angezeigt, ein hübscher blauer Punkt, der langsam pulsierte. Ich befand mich in der Nähe von Sedona. Mitten im Nichts. Ich versuchte es mit Apples Karten-App. Auch die ortete mich. Auch bei ihr blinkte ich irgendwo auf einer weißen Fläche. "Hic sunt dracones" schrieben Kartografen früher manchmal in jene Teile einer Landkarte, von denen sie nicht wussten, was sich dort befand: Hier leben Drachen. Auf meinen Karten stand noch nicht einmal das.

In einem Smartphone-Ordner, den ich "Outdoor" genannt hatte, entdeckte ich dann zwischen Programmen zur Bestimmung von Tierspuren, Pilzen und Vogelstimmen auch die App maps.me. Sie stellte fest, dass ich mich in Arizona befand, und forderte mich auf, die Karte meiner Region zu laden. Kurz darauf pulsierte ein kleiner blauer Punkt. Zwei Zentimeter neben meinem Wanderweg, dessen Verlauf akribisch genau markiert war. Bis zurück zum Parkplatz.

Sollte man eine Wander-Navi-App auf seinem Smartphone haben? Auf jeden Fall! Die kleinen Helfer können Leben retten. Oder einen zumindest vor Einbruch der Nacht zum Auto lotsen. Bei Apps wie Komoot, GPS Tracks oder Outdooractive (jeweils für IOS und Android) lässt sich das Kartenmaterial zu Hause laden, sodass ein Handy unterwegs noch nicht einmal ein Netz benötigt. Und Tourenvorschläge werden gleich mitgeliefert.

Ich habe maps.me noch nie in irgendeiner Bestenliste aufgeführt gesehen. Und der Download der Karte unterwegs war höllenteuer. Aber das hätte ich ja vor der Tour erledigen können. Die App kommt mir jedenfalls nie wieder vom Smartphone. Nie wieder.