In der Kolumne "Zeitzeichen" schreibt der Reporter Ulrich Stock regelmäßig aus dem Redaktionsalltag von ZEIT und ZEIT ONLINE.

Friseure liegen vor Bäckern, was Wortspiele angeht. Haare Krishna, B Haar, Haar O – und wenn Ihr lieber Friseur Harald heißt, nennt er seinen Laden bestimmt Haarald.

Aber die Bäcker holen auf. In Hamburg gibt es die Kette nur hier, die insofern Verwirrung stiftet, als es sie im Falle einer konkreten Filiale eben nicht nur hier gibt, sondern auch da, hundertfach im Norden, nicht zuletzt in Pinneberg und Neu-Wulmstorf. Welchen Vorteil es am Markt bedeutet, gleich im Namen eine Lüge zu führen, sei dahingestellt.

Bäckereien versuchen immer Schritt zu halten mit der Entwicklung. Ihnen haben wir das Ciabatta-Brötchen zu verdanken, die Entsprechung zum – ich erfinde das jetzt mal – panino schrippe. Das Wort ciabatta wird in unseren Bäckereifilialen zumeist nicht italienisch "tschabatta" ausgesprochen, sondern deutsch "ziabatta", was wiederum den Italienern Rätsel aufgibt, denn zia heißt Tante.

Neulich sah ich in der Bäckereifiliale eines Hamburger Baumarktes einen Schlendertee im Angebot. Ich musste erst einen Augenblick nachdenken, bis mir aufging, dass der coffee to go, der mancherorts schon als geografisch konnotierter Kaffee Togo beworben wird, hier eine neue Bezeichnung für den Tee zum Mitnehmen inspiriert hat.

Wortspiele finden sich naturgemäß auch in der ZEIT. Das herrliche Verb thomasmannisieren hatte ich kürzlich erwähnt; anekdozieren fällt mir noch ein, als Aussageverb beim Zitieren eines Forschers, der gern Döntjes erzählt.

Für unsere Wortspiele gilt: Ab und zu mal eines ist ganz schön. Zu viele sollten es nicht sein; wir sind ja weder Bäcker noch Friseure.