Wer mit Hilse durch das Lausitzer Bergbaurevier fährt, sieht ein Idyll. Tretboote, Sonnenterrassen, sogar ein Amphitheater an einem der riesigen Seen, die durch Flutung der Tagebaue entstanden sind. Aber die Dörfer, die hier waren, jahrhundertealte Kirchen und Gemeinschaften, die den Kohlebaggern weichen mussten – ist das nicht auch schützenswerte Heimat? Und was ist mit dem Kohlendioxid? Das Kraftwerk Jänschwalde pumpt 1200 Gramm pro Kilowattstunde davon in die Heimatluft, die Schwarze Pumpe in Hilses Wahlkreis belegt hinsichtlich der Emissionen Platz vierzehn in ganz Deutschland.

"Natürlich ist das bitter, wenn man seine Heimat verliert", sagt Hilse in seinem kleinen Bürgerbüro in der Altstadt von Hoyerswerda. Aber es sei heute möglich, ganze Dörfer so umzusetzen, dass man wieder neben seinen Nachbarn wohnen könne. Es müsse eben abgewogen werden: zwischen den Interessen der Verbraucher an billigem Strom und denen derer, die heimatlos werden.

Knapp 30.000 zum Teil sehr gut bezahlte Jobs hängen hier an der Kohle. "Die Leute haben wirklich was zu verlieren!", meint Hilse. Im Übrigen werde für Windkraft sehr viel mehr Wald gerodet als für Braunkohle. Außerdem seien die Grünen den Nachweis für einen Zusammenhang zwischen dem CO₂-Anstieg und der Klimaerwärmung bisher schuldig geblieben. "Eine Theorie, die nicht bewiesen ist, ist falsch", sagt Hilse, der in seinem Berliner Büro den Vizepräsidenten von EIKE beschäftigt – dem Europäischen Institut für Klima und Energie, das seit Jahren die Szene der Klimawandel-Leugner in Deutschland organisiert. "CO₂ ist kein Gift."

Meine Fakten, deine Fakten; mein Glaube, dein Glaube – seit die AfD im Bundestag ist, schwindet die Gesprächsgrundlage. Hilses Schlüsselsatz dazu lautet: "Niemand kennt die Wahrheit!" Dass die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler von einem menschengemachten Treibhauseffekt überzeugt ist, darin sehen Hilse und seine Mitstreiter nur ein weiteres "Meinungskartell", eine Religion, der man anhängt oder eben nicht. Kompromisse sind da schwer möglich.

In der Art, wie die AfD das Ökothema anpackt, steckt aber auch noch ein anderer wichtiger Charakterzug der Partei, von dem selten die Rede ist: ihr ungeheurer Fatalismus, was die Möglichkeiten der Menschen angeht, gemeinsam große Probleme zu lösen. Ihr ungnädiges Menschenbild. "Was nützt es", fragt Rainer Kraft, der Augsburger Bundestagsabgeordnete, dem das eingewanderte Springkraut so ein Dorn im Auge ist, "wenn Deutschland Milliarden für den Klimaschutz ausgibt, wo doch unser Anteil an den weltweiten Emissionen oder am Plastikmüll in den Weltmeeren so verschwindend gering ist?" Auch deshalb ist die AfD dafür, sofort aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen.

Kraft ist ein großer, kräftiger, schüchterner Mann in braunem Anzug. Der Chemiker ist als Kind mit seinen Eltern von München aus in die Berge gewandert. Sein Erweckungserlebnis: Pilze. Nicht anlangen!, hatte die Mutter gesagt. Andere Kinder hatten Popstars an den Wänden, Kraft kann sich noch immer an die Fotos vom Dunklen Hallimasch, vom Gold-Mistpilz oder vom Grauen Feuerschwamm erinnern. Bis heute faszinieren ihn Pilze. Sie sind mit allem zufrieden, wachsen überall, die Schnecken fressen sie. "Es gibt nichts Unnützes in der Natur, das macht nur der Mensch."