Als es kürzlich mal wieder darum ging, wie kompliziert das mit dem Kinderkriegen doch ist, da fragte ihr neunjähriger Sohn: "Wieso kann man Sperma eigentlich nicht in der Apotheke kaufen?" Das wäre doch am einfachsten. Da mussten die beiden Frauen lachen – vielleicht weil sie sich etwas Ähnliches im Geheimen auch schon gewünscht hatten.

Julia Pertuch und Nadine Kant* sind seit Langem ein Paar. Spätestens als sie sich vor vier Jahren auf dem Standesamt die Treue versprachen und in die gemeinsame Wohnung vor den Toren Hamburgs zogen, war ihnen klar: Sie wollten ein weiteres, ein gemeinsames Kind. Aus einer Beziehung mit einem Mann hatte Nadine ihren Sohn mit in die Partnerschaft gebracht. Den gemeinsamen Nachwuchs sollte deshalb Julia bekommen. Sie habe schon immer Mutter werden wollen, sagt Julia: "Nur hatte ich nicht damit gerechnet, wie anstrengend es werden würde." Und wie demütigend.

Dass lesbische Frauen Kinder bekommen und schwule Männer Vater werden, scheint nichts Besonderes mehr zu sein. Und schon lange nehmen Schwule und Lesben Pflegekinder auf. Vor genau einem Jahr trat das Gesetz zur "Ehe für alle" in Kraft – und damit auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Zwar fehlen genaue Zahlen, aber mittlerweile dürften in Deutschland einige Zehntausend Kinder bei zwei Frauen oder zwei Männern aufwachsen. Und auch wenn manche Konservative mit den Erkenntnissen der Wissenschaft zu gleichgeschlechtlichen Eltern noch fremdeln – schon 2007 fasste eine Studie des Bundesjustizministeriums den internationalen Forschungsstand zum Thema so zusammen: "Lesbische Mütter und schwule Väter stehen in ihrer elterlichen Kompetenz heterosexuellen Eltern in nichts nach."

Doch das Bild von der schönen bunten Welt der Regenbogenfamilien hat einen Makel: Bis heute ist der Weg zum eigenen Kind nicht nur für schwule, sondern auch für lesbische Paare kompliziert. Das liegt an der Biologie – aber nicht nur. Denn noch immer weigern sich viele Ärzte, lesbischen Paaren zum Nachwuchs zu verhelfen; Krankenkassen bezahlen keine Kinderwunschbehandlungen, selbst wenn eine Unfruchtbarkeit vorliegt; die Anerkennung der Kinder wird durch rechtliche Hürden erschwert, die der Bundesgerichtshof gerade noch einmal bestätigt hat (siehe Kasten).

Warum verhalten sich Ärzte und Politik so wenig familienfreundlich? Weshalb müssen Paare wie Julia Pertuch und Nadine Kant ihr Kinderglück weiterhin in einer Schmuddelwelt suchen und dabei ihren Nachwuchs um ein elementares Recht bringen: die Kenntnis seiner genetischen Herkunft?

Seit fast zwei Jahren sind die beiden Frauen nun auf der Suche nach einem geeigneten Samenspender. Sie wollen keine anonyme Spermaprobe aus dem Ausland, sondern einen Menschen mit Namen und Gesicht, den ihr zukünftiges Kind kennenlernen kann, wenn es dies wünscht. Anfangs überlegten sie, jemanden aus dem Freundeskreis anzusprechen. Am Ende trauten sie sich nicht: "Es fühlte sich irgendwie falsch an."

Also sondierten sie im Netz. Sie recherchierten in Kontaktforen, meldeten sich bei einschlägigen Plattformen an, schalteten Anzeigen. Doch statt auf einen "vertrauenswürdigen Erzeuger", wie sie ihn sich wünschten, trafen sie auf offene Homophobie ("Lesbenhexen") oder ordinäre Männerfantasien ("Lass uns auf dem Klo eine Nummer schieben").