Man kann es als privilegierte Ausgangslage bezeichnen, am Wochenende erst pflichtbewusst die Spiele der Bundesliga anzuschauen und sich insgeheim schon den ganzen Samstag darauf zu freuen, dass am Sonntag die Knaller der Premier League folgen. Oder man sieht es einfach unter der Prämisse, nicht immer alles so ernst zu nehmen in dieser Fußballwelt.

Mit ein bisschen mehr Humor und Distanz an diese Szene heranzugehen wäre ohnehin eine Überlegung wert, denn ernsthaft betrachtet ist das Theater durch und durch political incorrect: Es wird viel zu viel Geld umgesetzt, die Kleinen haben keine Chance mehr gegen die Großen, und das alles ist ein Machogeschäft, das nur deshalb noch so prächtig funktioniert, weil die Darsteller nicht müde werden, zu demonstrieren, wie hart sie doch sind. Würden sie sich dafür interessieren, ob ihr Gebaren in einer aufgeklärten, emanzipierten Welt noch irgendeinen Sinn jenseits des Spektakels haben könnte, fiele alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Und so schiebt man also den Patriotismus kurz beiseite und schaut sich am dritten Advent an, dass es ja doch noch die kleinen Wunder gibt: Der neue Trainer des Tabellen-19. Southampton, Ralph Hasenhüttl, düpiert den großen FC Arsenal mit 3:2. Damit nicht genug: Es folgt die Partie der beiden Traditionsriesen, des FC Liverpool gegen Manchester United. Schnell wird deutlich, dass Liverpool unter der Regie Jürgen Klopps viel besser zu verinnerlichen scheint, woher der Club kommt und wohin er will: Die "Reds" stehen auf dem ersten Tabellenplatz. Innerhalb von fünf Tagen siegen sie erst gegen Neapel in der Champions League und am Sonntag dann auch gegen ManU. Und sie haben nicht einfach gewonnen, sie fegten über ihre Gegner hinweg wie ein Sturmgewitter. Denn das gehört auch dazu: Das Vokabular im Fußball ist männlich, gar militärisch, man "schießt" und "bombt", entwickelt "Angriffsstrategien". Es wird "gestürmt", "geballert" und "gefeuert". Während die Spieler nicht viel zu sagen haben in dieser Welt, hat jeder Trainer, der was auf sich hält, seine ganz eigene Darstellungsform gefunden. Der Talentierteste unter den Machos ist ManU-Coach José Mourinho. Berühmt wurde er mit der Aussage: "Wenn ich einen einfachen Job gewollt hätte, wäre ich in Porto geblieben: (...) Gott und nach Gott ich!"

An seinen Aussagen hat sich bis heute nichts geändert, den schelmisch-arroganten Blick konnte man nach der Niederlage gegen Liverpool wieder beobachten. ManU rangiert nun auf Platz sechs. Die meisten Beobachter verachten den Portugiesen für seinen Narzissmus, bezeichnen ihn als Clown, dessen beste Zeiten längst vorbei seien. Vielleicht zu Recht. Vielleicht hat dieser Mann, der Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Italienisch, Französisch sowie Katalanisch spricht, der in halb Europa Meisterschaften gewonnen hat, aber auch einfach erkannt, dass man die Show nur ertragen kann, wenn man das Ganze mit ein bisschen Humor und Distanz betrachtet.