Man könnte denken, es wird irgendwann zur Routine: der Husten, der Schnupfen, die schlechten Nächte. Sechs- bis zehnmal im Jahr leiden Kinder an einer Erkältung. Daran werden sich Eltern doch wohl gewöhnen? Doch das klappt nicht. Jedes Mal ist anders – und jedes Mal ist wieder schrecklich. Gerade jetzt, im Winter.

Etwas scheint sich dabei in den letzten Jahren aber verändert zu haben: die Unsicherheit. Regina Kurthen praktiziert schon lange als Kinderärztin in Hamburg, sie beobachtet seit einiger Zeit häufiger junge Väter und Mütter, die sich nicht auf ihr "Elterngefühl" verlassen, wie sie es nennt. Menschen, die nicht mehr recht wissen, was zu tun ist, wenn ihr Nachwuchs krank ist, selbst wenn es erkennbar nichts Gefährliches ist, an dem ihre Kinder leiden. Etwa eine Erkältung mit zwar besorgniserregenden, aber harmlosen Beschwerden wie Fieber oder Husten. Sie will diese Eltern gar nicht zurückweisen: "Natürlich bin ich für die Familien da, sie können immer anrufen oder auch in der Praxis vorbeikommen." Aber in vielen Fällen sei das gar nicht nötig.

Kinder werden eben häufiger mal krank, meistens ist es nicht ernst, sondern ganz normal, Krankheiten gehören zur Entwicklung dazu. Jedes Kind macht eine Krankheit dabei anders durch. Dem einen raubt eine eigentlich banale Erkältung tagelang die letzten Kräfte, das andere ist auch mit einem Magen-Darm-Infekt noch topfit und kaum im Bett zu halten.

Darum ist es für die Eltern entscheidend, ihre Kinder mit der Zeit einschätzen zu können, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann sie selbst zurechtkommen – und wann es ernst wird, sodass sie doch zum Kinderarzt müssen.

Eine Erkältung mit erhöhter Temperatur oder leichtem Fieber etwa ist dafür erst mal kein Grund. "Solange das Kind trinkt und bei Babys die Windel nass ist, haben Eltern Zeit, zu schauen, wie sich das Fieber entwickelt", sagt Kurthen. Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen, die das Fieber senken, können helfen, wenn das Kind sehr erschöpft ist. Vorher können die Eltern es aber auch erst einmal mit Hausmitteln probieren.

Mit einem Brustwickel etwa. Der sei viel effektiver als der berühmte Wadenwickel, sagt Kurthen. Trinken sei unerlässlich, ebenfalls wenn die Kinder Husten haben. Säfte dagegen sind oft nutzlos, auch bei älteren Kindern. "Warum es nicht einfach mal mit einem Kräutertee versuchen?", schlägt Kurthen vor, "der tut es meist auch." Mit ein bisschen untergerührtem Honig schmeckt er den Patienten sogar.

Dauert das Fieber allerdings länger als drei Tage, sollten Eltern mit ihren Kindern in die Arztpraxis gehen. Und auch dann, wenn eine bestimmte Körpertemperatur überschritten wird: bei Säuglingen ab 39 Grad, bei Kindern von einem Jahr und älter ab 39,5 Grad.

Manchmal kommt zur Erkältung eine Mittelohrentzündung hinzu. Für die Eltern ist das oft dramatisch, weil die Kinder starke Schmerzen haben – und das auch zeigen. Kleine Kinder können dabei noch gar nicht genau sagen, wo es ihnen wehtut, und deuten dann oft auf den Bauch, wenn sie nach dem Ort des Übels gefragt werden. Andere fassen sich ständig an die Ohren und schütteln den Kopf. Eltern können das nur schlecht einschätzen, deswegen gehen viele vorsichtshalber auch in die Praxis. Mittelohrentzündungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Eltern mit ihren kleinen Kindern beim Arzt vorstellig werden. Der kann aber auch nicht viel mehr machen, als man selbst tun könnte: Das Wichtigste ist, die oft unerträglichen Schmerzen zu bekämpfen. "Hier hilft Ibuprofen häufig gut, das Mittel kann man dreimal am Tag geben", sagt Annette Lingenauber vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.