I. Der Preis wird vermindert

Die "holländische Auktion" ist eine Versteigerung mit fallenden Preisen. Sie wird auch "Rückwärtsauktion" genannt. Es werden also nicht, wie bei der üblichen "englischen Auktion", die Gebote jeweils erhöht, sondern der Preis wird vermindert. Eine Variante kann man auf manchem Wochenmarkt erleben, wenn der Händler seine Ware ausruft: "Zehn Bananen für vier Euro! Na gut, für drei Euro – ach, hier haben Sie das ganze Bündel." Ihren Namen hat sie von niederländischen Blumenhändlern, die mit diesem Verfahren ihre Ware anboten. Im Zusammenhang mit der Versteigerung von Kunst wird die "holländische Auktion" zuerst 1691 in London urkundlich erwähnt: Mit einer Anzeige wurde bekannt gemacht, dass vom 12. bis 14. Mai in Mrs. Smyther’s Coffee House in der Thames Street Gemälde auf eine Weise versteigert würden, die bislang in England nicht üblich war. Es handele sich um "die bekanntesten alten und modernen Meister Europas" wie Tizian, Rubens, van Dyck, Dürer und Rembrandt.

II. Günstig und riskant

Mineing nennt man ein Verfahren, bei dem der Verkäufer zuerst einen hohen Preis nennt, den er schrittweise herabsetzt, bis ein Käufer "mine" ruft und damit den Zuschlag erhält. Je länger der Kaufwillige mit seinem Gebot wartet, desto günstiger kauft er. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko, dass ihm ein anderer zuvorkommt.

III. Keine Bietergefechte

Anders als bei einer steigernden Auktion kann der Bieter nicht auf konkurrierende Gebote reagieren. Deshalb gibt es keine Bietergefechte. Der Vorteil ist, dass der Bieter sich nicht aus Konkurrenz zu immer neuen Geboten hinreißen lässt, die schließlich seine Möglichkeiten oder den Wert der Ware übersteigen. Dafür ist der Entscheidungsdruck hoch, weil er schnell reagieren muss und nicht, während der Auktionator zu weiteren Geboten ermuntert, nachdenken – oder nachrechnen – kann.

IV. Ohne Limit

In den Niederlanden ist diese Form der Versteigerung bei Blumen-Auktionen nach wie vor üblich, wobei den fallenden Preis eine schnell laufende Uhr anzeigt, die der Bieter per Knopfdruck stoppen kann. Bei Sach- oder Kunst-Auktionen wird das Auktionsverfahren gelegentlich noch angewandt, wenn ohne Limit versteigert wird. Und manchmal versuchen Auktionatoren, wenn zum zunächst ausgerufenen Preis kein Gebot abgegeben wurde, mit vorsichtigem Herabstufen des Preises doch noch einen Käufer zu locken.

V. Schließlich umgekehrt

So wie es eine "umgekehrte englische Auktion" gibt, gibt es auch eine "umgekehrte holländische Auktion". Das ist der Fall, wenn mehrere Verkäufer einem einzelnen Bieter gegenüberstehen. Da nennt der Bieter den Preis, den er zu zahlen gewillt ist. Bei der "holländischen" erhöht er ihn langsam, bis ein Verkäufer einschlägt, bei der "englischen" senkt er ihn nach und nach, bis nur noch ein Verkäufer zu diesem Preis bereit ist, die Ware abzugeben.