Wie sich die Zeiten ändern. Vor sieben Jahren saß Wolfgang Beltracchi vor dem Kölner Landgericht, das sein Urteil in einem der spektakulärsten deutschen Kunstfälscherprozesse verkündete. Der Fälscher war Beltracchi selbst – und das Urteil lautete auf sechs Jahre Freiheitsstrafe für den Handel mit Gemälden, die er als Werke großer Künstler wie Max Ernst oder Heinrich Campendonk ausgegeben und teuer verkauft hatte.

Doch irgendwie ist das Adjektiv "groß" auch an Beltracchi selbst hängen geblieben: Der Mann stellt aktuell in Hamburg aus und führt unter anderem Schüler durch seine Schau, die der angesehene Kunsthistoriker Wolfgang Bredekamp eröffnete. Beltracchi wird von Journalisten zu langen Interviews gebeten, auch von der ZEIT, und nun hat ihm das Schweizer Kulturmagazin Du auch noch eine ganze Ausgabe gewidmet. "Ich, Beltracchi", heißt das aktuelle Heft – dabei ist auf fast jeder Seite ein Bild im Stil eines anderen Malers zu sehen.

Ein Bild wie aus dem Atelier von Pablo Picasso oder Max Beckmann? Für den verurteilten Kopisten scheint das kein Problem zu sein. Das Publikum steht staunend vor den Fake-Motiven und applaudiert – statt ins Museum zu jenen Originalen zu gehen, die Beltracchi überhaupt erst auf die Idee gebracht haben. Denn auch wenn seine neue Karriere ganz legal ist, weil der Maler die Bilder nun als eigene Kompositionen ausweist, lebt er vom Klauen. Nach dem Prozess stieg Beltracchi kurzzeitig auf Motive um, die keine fremde Handschrift trugen. Sie waren aber so kitschig und unoriginell, dass er rasch wieder auf Vorbilder umstieg. Seither plündert er für seine Gemälde die Kunstgeschichte. Zitiert wird, was man überall schon mal gesehen hat: fliegende Pferde, nackte Frauen, Heilige oder Kähne im stillen Wasser, das in einem Meer aus Farbe mündet. Eigene Ideen hat Beltracchi nicht. Stattdessen ahmt er talentiert nach, womit andere die Kunst des 20. Jahrhunderts revolutionierten.

Den Applaus gibt es für diese Kunst der Täuschung. Beltracchi ist ein Illusionist, seine Kunst ein Spiegelkabinett, das Bilder zurückwirft, die längst existieren. Einen eigenen Stil besitzt er nicht. Dabei ist es doch gerade jener eigene Stil von Künstlern wie Picasso oder Monet, der am Markt für Höchstpreise sorgt. Sie brachten neue Ideen und Sichtweisen in die Malerei. Beltracchis Nacherzählungen bleiben dahinter weit zurück. Dafür weiß er sich zu vermarkten, und das ist eine Qualität, die mit Aufmerksamkeit bezahlt wird. Bloß mit Kunst hat es so gut wie nichts zu tun.