Barbara Gerg, 57, betreibt mit ihrem Mann ein Autohaus im oberbayerischen Jachenau. Seit dem Wochenende ist der 850-Einwohner-Ort eingeschneit, für den Landkreis wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Gerg bleibt gelassen: Sie kennt und liebt den Winter.

ZEIT ONLINE: Frau Gerg, Sie führen ein Autohaus. Haben Sie noch Schneeketten vorrätig?

Barbara Gerg: Nein, die sind inzwischen alle verkauft. Seit Donnerstag haben wir auch geschlossen. Wir kriegen keine Post, keine Ersatzteil- oder Fahrzeuglieferungen mehr. Heute haben unsere Monteure nur die Autos freigeschaufelt. Etwa dreißig Fahrzeuge stehen draußen. Man konnte von denen nur noch die Außenspiegel sehen. Es besteht die Gefahr, dass sie unter der Last zusammenbrechen.

ZEIT ONLINE: Und wie sieht es bei Ihnen im Ort aus? Wie ist die Schneesituation?

Gerg: Es liegen bis zu zwei Meter Schnee. Wir haben zwei Zufahrtsstraßen und beide sind gesperrt beziehungsweise darf eine nur im Notfall benutzt werden. Die Bundeswehr versucht, mit Hubschraubern den Schnee von den Bäumen zu holen. Sie könnten umknicken und man kann erschlagen werden.

Winterwetter - Starke Schneefälle vorhergesagt Der Deutsche Wetterdienst sagt für Bayern bis zu einem Meter Neuschnee vorher. Weitere Warnungen wurden für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen ausgerufen. © Foto: Tobias Hase/dpa

ZEIT ONLINE: Wie ist die Stimmung im Ort?

Gerg: Im Dorf sind alle sehr relaxed, wir sind viel Schnee gewöhnt. Die Landschaft ist traumhaft schön, jetzt scheint gerade die Sonne, später soll es wieder schneien. Wir haben einen kleinen Dorfladen, der uns mit dem Nötigsten versorgt. Der wird durch die Feuerwehr beliefert. Vorgestern Abend funktionierten die Telefone mal nicht, aber davon geht die Welt auch nicht unter. Mein Mann ist seit heute früh draußen beim Schneeräumen. Alle, die einen Traktor besitzen, sind gerade unterwegs, um die Straßen und die Zufahrten vor den Häusern freizuhalten.

ZEIT ONLINE: Waren Sie schon einmal von der Außenwelt abgeschnitten?

Gerg: Ich bin seit 1984 hier und kann mich nicht daran erinnern, dass wir eingeschlossen waren. An sich sind wir aber ein Winterskigebiet und Schnee gewöhnt. Die Langlaufloipe geht direkt an unserem Haus vorbei.

ZEIT ONLINE: Viele Kinder haben schulfrei – wen freut der Schneeeinbruch noch?

Gerg: Wir haben viele Pendler hier und die haben jetzt auch alle frei. Die Leute sind völlig entspannt, es hat auch niemand Hektik. Es gibt keine Termine, jeder ist zu Hause, jeder hat Zeit. Man wird so richtig ausgebremst.