DIE ZEIT: Frau Budde, wie welches Tier haben Sie sich heute schon gefühlt?

Nadia Budde: Heute Morgen gab es leider keinen Kaffee bei uns. Bis mittags habe ich mich deshalb wie eine Schildkröte gefühlt, danach ging es aber langsam wieder.

ZEIT: Sie haben für uns die Tiere wie wir-Comics erfunden. Wie entsteht eine Folge? Überlegen Sie sich zuerst den Reim? Oder erst das Bild?

Budde: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal sind zuerst Wörter da, die mir gefallen oder die sich reimen. Dazu suche ich mir dann Tiere aus. Oder ich habe Lust, Hirsche oder Biber zu zeichnen, und während des Zeichnens finden sich plötzlich Wörter dazu. Oft denke ich auch an Tiere mit ganz bestimmten Merkmalen. Der Waschbär hat ja schon das Wort "waschen" im Namen. Deswegen macht er natürlich seine Wäsche – und die lasse ich ihn bügeln. Ist die Wäsche glatt, dann ist er von der vielen Bügelei eben platt.

ZEIT: Wie und wo malen Sie Ihre Ideen dann auf?

Budde: Ich habe kein Büro und zu Hause nur einen nicht besonders großen, sehr unordentlichen Schreibtisch. Aber eine Ecke zum Zeichnen ist da glücklicherweise immer frei. Ich zeichne dort in Schwarz auf Weiß, entweder mit Filzstiften oder Pinsel und Tusche. Die Flächen fülle ich erst hinterher am Computer mit Farben aus. Allerdings finde ich es schwierig, lange an einem Tisch zu sitzen. Zum Überlegen gehe ich deshalb am liebsten mit meinem Hund spazieren. Mein Hund nimmt die Dinge sehr ernst, ich nicht so sehr.

ZEIT: Was machen Sie, wenn Ihnen ein Bild gar nicht gelingt oder Ihnen einfach kein Reim einfällt?

Budde: Je länger ich an einem Bild oder Reim herumprobiere, umso geringer sind die Chancen, dass es noch klappt. Zum Glück schaut mich aber oft früh genug mein Hund vom Sofa aus an, und wir gehen raus. Draußen fällt mir dann die Lösung ein. Es gibt aber auch Bilder und Reime, die sind einfach nicht gut. Man merkt es zunächst nicht und wundert sich, dass es keinen Spaß macht und man nicht vorankommt. Deshalb lasse ich Bilder und Texte gerne ein bisschen liegen und schaue später noch einmal drauf, ob sie mir wirklich immer noch gefallen.

ZEIT: Wie lange dauert es denn insgesamt, bis ein Tier-Paar fertig ist?

Budde: Ganz unterschiedlich. Manche Bilder sind sofort perfekt, andere dauern dagegen wirklich lange. Aus manchen Motiven wird mit denselben Tieren nach einiger Zeit auch etwas ganz anderes. Oft vertausche ich zum Schluss sogar die beiden Seiten und stelle fest, dass das viel besser funktioniert. Die Antwort ist also: Es dauert viel länger, als man glaubt.

ZEIT: Können Sie über Ihre eigenen Zeichnungen lachen?

Budde: Das muss ich sogar! Wenn ich nicht über meine Bilder lachen kann, dann kann es meist auch sonst keiner.

ZEIT: Sie machen ja außerdem noch Bücher mit Reimen und Tieren. Was mögen Sie an der Kombination?

Budde: Mit Reimen lässt es sich schön knapp erzählen. Und "tierische Schauspieler" eignen sich hervorragend, wenn man etwas über Menschen erzählen möchte, denn Tiere dürfen alles. Sie können menschliche Eigenschaften sehr gut darstellen. Man nimmt ihnen schlechte Laune, Eitelkeiten, Gemeinheiten und unsinnige Handlungen überhaupt nicht übel.

ZEIT: Haben Sie ein Lieblingstier?

Budde: Mein Hund gefällt mir gut, denn ich glaube, ich kenne ihn nun ein bisschen. Ich finde außerdem Füchse und Wölfe schön. Im Grunde habe ich aber kein Lieblingstier. Alle Tiere sind toll.

ZEIT: Gibt es Tiere, die Sie gar nicht zeichnen können?

Budde: Pferde sind wirklich schwer.

ZEIT: Erwachsene starten gern mit guten Vorsätzen in ein neues Jahr. Welches Tier nehmen Sie sich für 2019 zum Vorbild?

Budde: Zuerst fällt mir das Faultier ein, weil ich schon lange keinen Urlaub mehr gemacht habe. Vielleicht wäre mehr Ausruhen gut. Aber ich hätte doch eher Lust, mir etwas von einem Elefanten abzuschauen. Er hat ein supergutes Gedächtnis. Ich vergesse leider vieles, das könnte besser werden.