1 (1) Eva Illouz: Warum Liebe endet
A. d. Engl. v. Michael Adrian; Suhrkamp; 447 S., 25,– €

Die Soziologin Eva Illouz geht in ihren Büchern der Frage nach, ob es eine Liebe geben kann jenseits der Erfüllung kapitalistischer Versprechen. In Warum Liebe endet nähert sie sich dem Thema aus einer anderen Perspektive und erforscht, was in romantischen Hollywood-Filmen keinen Platz hat: Sie schreibt über das Ende der Liebe. Eine erhellende Studie, die das moderne Liebeskonzept radikal hinterfragt. 90 Punkte




© Residenz Verlag

2 (–) Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit (Unruhe bewahren)
Residenz Verlag; 136 S., 19,– €

Der Beschleunigungsexperte Hartmut Rosa trumpft mit einem neuen Buch auf. Die Kernthese hat sich kaum verändert: Wir leben in einer immer schneller werdenden Welt und gehen nur oberflächliche Kontakte ein. Rosa meint: Das muss sich ändern! Gegen die Entfremdung hilft der Kontakt mit widerspenstigen Dingen, die uns auf die Essenz des Menschseins zurückwerfen. Das Ergebnis: echte Resonanz. 62 Punkte



© Hanser Berlin

3 (2) Leslie Jamison: Die Klarheit
A. d. Engl. v. Kirsten Riesselmann; Hanser Berlin; 638 S., 28,– €

Alkohol ist die Gesellschaftsdroge Nummer eins. Aber warum trinkt man eigentlich? Um die eigenen Schwächen zu verbergen? Um Probleme zu vergessen? Um sich besser zu fühlen? Die Amerikanerin Leslie Jamison schildert in ihrem sehr persönlichen Essay, warum sie sich fast um den Verstand getrunken hat – und was ihre Rettung war. Ein ehrliches Buch, das die Droge Alkohol von ihrem Mythos befreit. 53 Punkte



© DVA

4 (–) Christopher Clark: Von Zeit und Macht
A. d. Engl. v. Norbert Juraschitz; DVA; 320 S., 26,– €

Der Historiker Christopher Clark fragt: Wie beeinflussen sich Zeit und Macht? Clark widmet sich dem Wirken von drei deutschen Herrschern und einem Regime: Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen, Friedrich dem Großen, Otto von Bismarck und den Nationalsozialisten. Dabei zeigt sich: Jede Macht entwirft ihre Version von Vergangenheit, um eine neue Zukunft zu schreiben. 38 Punkte

© Matthes & Seitz

5 (–) Jean François Billeter: Skizzen
A. d. Franz. v. Tim Trzaskalik; Matthes & Seitz; 107 S., 12,– €

Der Sinologe Jean François Billeter bestimmt in seiner Studie das wesentliche Begehren des Menschen und fragt, wie das Wissen um das Subjekt dabei helfen kann, historische Krisen zu lösen. Dabei hat er die Form der Skizze gewählt, um zu vermeiden, ein großes Gedankengebäude zu errichten. Er präsentiert eine Philosophie der radikalen Gedankenfreiheit, die in Form, Inhalt und Absicht bisher einmalig ist. 35 Punkte





© Klett-Cotta

6 (4) Ulinka Rublack: Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit
Klett-Cotta; 409 S., 26,– €

Der Astronom Johannes Kepler erhält 1615 die Nachricht, dass seine Mutter wegen Hexerei angeklagt wurde. Kepler macht sich auf, um die Verteidigung seiner Mutter vor Gericht zu übernehmen. Die Historikerin Ulinka Rublack rekonstruiert den Fall und zeigt eine faszinierende Welt im Wandel, zwischen Naturwissenschaft und Magie, vernunftgeleiteter Moderne und dem Terror der Hexenverfolgung. 34 Punkte

© C. H. Beck

6 (–) Georg Cremer: Deutschland ist gerechter, als wir meinen
Eine Bestandsaufnahme; C. H. Beck; 272 S., 16,95 €

Der Volkswirt Georg Cremer war bis Juni 2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbands und ist einer der bekanntesten Armutsforscher Deutschlands. Sein neuestes Buch zeigt: Deutschland gibt 30 Prozent des Staatshaushalts für die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme aus. Der Sozialstaat ist besser als sein Ruf. 34 Punkte




© Nautilus

8 (–) Fahim Amir: Schwein und Zeit
Nautilus; 208 S., 16,– €

Kritik an Umweltzerstörung oder industrieller Tierhaltung basiert auf konservativen Ideen von einer unberührten Natur. Der Philosoph Fahim Amir holt zum Gegenschlag aus und stellt klar, dass Tier und Mensch schon immer in einer kulturellen Konfliktbeziehung standen. Tiere sind nicht nur Opfer, sondern Teil eines größeren Kulturkampfes. Eine kritische, erfrischende Lesart der linken Tierethik. 33 Punkte





© S. Fischer

9 (7) Roger Willemsen: Musik! Über ein Lebensgefühl
S. Fischer; 512 S., 24,– €

Dieser Band würdigt den 2016 verstorbenen Schriftsteller Roger Willemsen in seiner Eigenschaft als Musik-Enthusiast. Die Musik war sein wichtigstes Genre – Willemsen nahm nichts so ernst wie den Jazz oder die Klassik. Das Buch versammelt Willemsens brillante Aufsätze über seine wichtigste Liebhaberei, die den bislang größten deutschen Essayisten des 21. Jahrhunderts zurück ins Gedächtnis holen. 31 Punkte




© Campus

9 (–) Shoshana Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus
Campus; 727 S., 29,95 €

Die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff analysiert die Macht der Hightech-Giganten und fragt: Können wir große Konzerne wie Facebook und Google zähmen? Gibt es einen Weg in die digitale Unabhängigkeit sowie Formen und Wege des Widerstands? Dabei sammelt die Professorin nicht nur Daten und Fakten, sondern fordert zur Revolte auf: gegen die digitalen Formen des Überwachens und Strafens. 31 Punkte