Alina Oehler (27) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Erklärstücke zu kirchlichen Feiertagen bringen hohe Klickzahlen, sagte neulich der Online-Redakteur einer großen Zeitung zu mir. Dass viele interessiert, was man eigentlich feiert, wenn man frei hat, freut mich, denn das heißt: Es gibt durchaus ein Interesse an kirchlichen Themen. Bedauerlicherweise finden diese sich aber vor allem in der Lokalzeitung immer seltener. Das liegt auch daran, dass viele Kirchengemeinden kaum Öffentlichkeitsarbeit betreiben oder gar nicht genau wissen, was das eigentlich ist.

Mich treibt das um, seit ich einmal für ein paar Monate in der Lokalredaktion einer großen Zeitung gearbeitet habe. Dort lerne man das pure Handwerk, wurde mir gesagt, deshalb sei das wichtig. Neben den vielen typischen Praktikantenaufträgen – also Geschichten über Kleintierzüchter oder Seniorengeburtstage mit Bürgermeisterbesuch – war auch die ein oder andere Herausforderung dabei. An Kirchenthemen aber durfte ich mich nicht herantasten, dafür war ein Redakteur zuständig. Die zahlreichen Kirchengemeinden der Region kamen, abgesehen von Randnotizen, so gut wie nie vor. Die Antwort eines Redaktionsleiters auf meine Frage, woran das liege, war so schlicht wie aufschlussreich: "Ja, die kennen wir ja nicht!" Vertreter verschiedenster lokaler Organisationen kamen immer mal wieder in die Redaktion, brachten Geschenkkörbe zu Festtagen vorbei oder schickten regelmäßig professionelle Pressemitteilungen, die ab und an tatsächlich in einen Artikel mündeten. Nur von den Kirchen kam nichts. Warum?, fragte ich zuerst mich – und dann später pastorale Mitarbeiter und Pfarrer an verschiedenen Orten.

Das Resultat scheint mir eine Gemengelage aus verschiedenen Demotivationen: einmal die Angst, von der Presse in ein falsches Licht gestellt zu werden: "Die sind uns feindlich gesinnt!" Dazu fehlt es meist an Service-Bewusstsein: "Die müssen auf uns zukommen, wenn sie was wollen." Die ehrlichste Variante aber ist diese: "Wer soll das machen?" – Gemeinden wissen nicht, wie Pressearbeit funktioniert, und haben keine Ressourcen eingeplant.

Man braucht die Gemeinden nur zu googeln, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie wenig Wert sie auf Öffentlichkeitsarbeit legen. Nicht nur, weil wenige Berichte auftauchen, sondern auch, weil häufig die Webseiten in rudimentärem Zustand sind und an eine Präsenz in den sozialen Medien gar nicht erst zu denken ist. Dabei sollte das doch eine der drängendsten Aufgaben sein!

Um mithalten zu können, muss sich die Mentalität ändern. Kontakte mit Redakteuren sind schnell geknüpft oder wieder aufgefrischt, die meisten Bistümer sind gerne mit ihren Medienabteilungen behilflich. Anpacken aber muss man es selbst – das einzige Risiko dabei ist, dass gute Geschichten wegen fehlender PR nicht weitererzählt werden. Und ein Erfolgsprinzip des Christentums war das Geschichtenerzählen ja eigentlich schon immer.