Wenn die Nummer des Schulsekretariats auf dem Handydisplay der Eltern aufleuchtet, bedeutet das nichts Gutes: "Ihre Tochter hat sich im Sport das Knie aufgeschlagen, können Sie sie bitte abholen?"

An zehn hessischen Schulen müssen die Eltern nur noch in großen Notfällen kommen; erst mal kümmert sich eine Schulkrankenschwester um die Kinder, in einem Modellprojekt namens "Splash" ("Schulgesundheitspflege an allgemeinbildenden Schulen").

"Splash" wurde nun evaluiert – mit guten Ergebnissen: Lehrer können unterrichten, statt Verbände anzulegen, Eltern fehlen seltener im Job; am wichtigsten aber: Schüler haben jemanden, den sie nicht nur ansprechen können, wenn sie krank oder verletzt sind, sondern auch, wenn sie Fragen zu Sexualität, Ernährung oder Mobbing haben.

Der Einsatz von Schulkrankenschwestern sollte kein Modellprojekt bleiben (wie neben Hessen auch in Brandenburg). Er sollte zum Modell werden für alle Schulen in Deutschland. Das Projekt steht für weit mehr als für Gesundheit.

Denn Schulen brauchen heute, erstens, "multiprofessionelle Teams": Lehrerinnen und Sozialarbeiter, Trainer und Therapeutinnen, Jobcoaches und Inklusionsexperten – und auch Krankenpfleger. Bisher lasten zu viele Aufgaben auf Lehrern und Eltern – die einen sind überfordert, die anderen überbesorgt. Zweitens umfasst der Bildungsauftrag von Schulen viel mehr als Mathe und Englisch. Sich um die Gesundheit zu kümmern, die körperliche wie die psychische, gehört heute dazu. Und drittens ist Gesundheit eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: Wer gesünder ist, lernt besser.