William MacAskill ist zwar erst 31 Jahre alt, aber er kennt bereits die Antworten auf Fragen wie: Was sind die größten moralischen Probleme unserer Zeit? Oder: Wie können wir der Menschheit am besten helfen?

Den Rat des Schotten hören sich Studenten gerne an, er ist Professor für Philosophie am Global Priorities Institute der Oxford University. Und er steht bei den Millennials hoch im Kurs: MacAskill hat ein Buch geschrieben, eine Hilfsorganisation gegründet, auf Twitter 20.000 Follower. Doch damit nicht genug. Mit seinen Ideen, so sagt er selbst, habe er die gesellschaftliche Bewegung des effective altruism mit ausgelöst.

MacAskill weiß, dass viele in der heranwachsende Generation die großen Probleme der Welt lösen wollen, aber nicht wissen, wie. Und da bietet er ihnen einige höchst verstörende Antworten.

"Ihr helft nicht, wenn ihr nach der Universität bei Organisationen anheuert, deren Hilfsprogramme zu 75 Prozent nur ganz wenige Dinge verändern", sagt MacAskill und gibt Abgängern den Rat, sich lieber in der Wirtschaft weiter ausbilden zu lassen. Dieser Rat tut not, da nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte sich heute in der Tat 40 Prozent der Studenten nicht gut genug für das Wirtschaftsleben gewappnet fühlen, vor allem nicht für die Welt der Industrie mit all der Robotik, Mathematik, Physik und Computerwissenschaft.

Helfen könnten sie aber vor allem dort, meint MacAskill, wo es wirklich um die Zukunft der Menschheit gehe – etwa indem sie eine hochqualifizierte Arbeit ausführen, die mit künstlicher Intelligenz, synthetischer Biologie oder Geowissenschaften zu tun hat. Aber das Problem von MacAskill: Er versucht den Begriff Hilfe zu quantifizieren, greift zu abstrusen Begriffen wie qualitativ verbesserte Lebensjahre, rechnet aus, wer in seinem Leben am besten geholfen hat, stellt praktisch eine Rangliste der besten Altruisten der Menschheit auf. Sein Lieblingsbeispiel ist der Milliardär Bill Gates, der mit seiner Finanzierung von Gesundheitsprojekten mehr als fünf Millionen Leben gerettet habe. MacAskill rechnet gerne.

Obwohl Philosophieprofessor, argumentiert er streng ökonomisch und wendet immer wieder das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens an. Das besagt, dass beispielsweise ein Glas Wasser in der Wüste zwar für jemanden, der durstig ist, sehr wertvoll ist – für einen Westeuropäer beim morgendlichen Zähneputzen im Bad jedoch nicht.

Weil MacAskill diesen Gedanken auf das Thema Hilfe überträgt, kommt er zu ganz eigenen Schlüssen: Wer wirklich helfen wolle, solle beispielsweise nicht Arzt werden, argumentiert er. Schließlich gebe es beispielsweise in Deutschland derzeit rund 385.000 berufstätige Ärzte. Einer mehr oder weniger mache da kaum einen Unterschied, so MacAskill.

Ganz ähnlich argumentiert er auch bei einem anderen Thema. Wer Menschen in armen Ländern wirklich helfen wolle, der müsse erst recht viele Flüchtlinge ins Land lassen, da sie etwa in Europa deutlich mehr verdienten als in ihren verarmten Heimatländern. Das schrieb er 2015. Welche gesellschaftlichen Konsequenzen diese Politik haben könnte, hatte in seinen Zahlenspielereien keinen Platz, konnte nicht quantifiziert werden, fand nicht statt.

Ebenso abstrus ist ein weiterer Gedanke: Wer als Jugendlicher richtig was bewegen wolle, solle in die Politik gehen, dort wo über Gesetze und den Haushalt Milliarden bewegt werden können. Dass Politiker mit Fehlentscheidungen Volkswirtschaften auf lange Zukunft hinaus auch schädigen können – siehe Brexit –, kommt nicht vor.

Gerne wollten wir uns das von ihm erklären lassen. Doch zu einem Gespräch mit der ZEIT war der populäre Philosophieprofessor nicht bereit.