Hanna Jacobs, 30, ist Pfarrerin im "raumschiff.ruhr", einem Gemeindepionierprojekt in Essen. Im Wechsel mit der katholischen Theologin Alina Oehler schreibt sie, wie sie als junge Geistliche ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Vor einigen Monaten erzählte mir ein befreundeter Pastor von dieser dänischen Serie, Herrens Veje. Um eine Pfarrerdynastie gehe es da, großartige Schauspieler, düster und spannungsvoll, so pries der Skandinavienliebhaber den Zehnteiler an. Bald würde sie endlich im deutschen Fernsehen laufen. Ich war skeptisch. Produktionen, in denen die Hauptfigur ein oder eine Geistliche ist, sind in der Regel unangenehm plakativ. Christine Neubauer als toughe Pastorin in Lederjacke (schlimm) oder der unkonventionelle, verwitwete Pfarrer in der ZDF-Serie Herzensbrecher, der stets turnschuhtragend lauter Richtigkeiten von sich gibt (noch schlimmer). Und dann diese Serie mit den Nonnen ... ich mag gar nicht dran denken! Kommen Pfarrer nur am Rande vor, sind sie hingegen oft weltfremd oder besonders weise oder beides.

Aus Neugierde und herbstbedingter Dunkelheit gab ich dieser neuen Serie also – Die Wege des Herrn – eine Chance. Und stellte erleichtert fest, dass die vielen Pfarrer, Bischöfinnen und Küster weder besonders weise noch gewollt hip waren, vor allem aber nicht weltfremd. Im Zentrum steht Johannes Krogh, der der 200 Jahre alten Familientradition gefolgt ist und lutherischer Pastor wurde. Der eine Sohn tut es ihm gleich und ist dabei überaus beliebt und erfolgreich. Der andere Sohn fällt nicht erst seit der plagiierten Masterarbeit aus dem bildungsbürgerlichen Rahmen. Ein tüchtiger und ein verlorener Sohn, das gibt es in der Bibel ebenso wie bei den Buddenbrooks. Doch auch der vorbildliche Sohn segnet in der Not als Militärpfarrer Waffen, und dass der Vater ein Problem mit Alkohol und Affären hat, ist seiner Familie genauso klar wie der Kirchenleitung. In der Hauptfigur ist das lutherische simul istus et peccator (gleichzeitig gerecht und Sünder) regelrecht personifiziert. Er ist wahrhaftig und frei und zugleich als Narzisst völlig in sich selbst verkrümmt, wie man es im theologischen Slang sagt.

Die Charaktere dieser Serie machen richtig große Fehler. Nicht nur so Pseudofehler wie ein Pfarrer Braun, der etwas zu oft Schweinshaxe isst und gerne heimlich ermittelt. Doch gerade darin, dass sie sich ihrer Schuld bewusst sind und Wege suchen, damit umzugehen, sind sie vorbildhaft.

In Die Wege des Herrn wird nichts weggelächelt. Auch die Krise der Volkskirche nicht. Welche Gemeinden werden als Nächstes zusammengelegt und welche Kirche geschlossen? Braucht es neue Formen von Gemeinde, die "Yoga mit Jesus" anbieten? Die Fragen, die diese Serie stellt, sind auch in Deutschland aktuell und konfliktbehaftet.

Inzwischen bin ich fast am Schluss der Serie angekommen und nun ähnlich begeistert wie viele Kollegen. Schöne Bilder und ein abwechslungsreicher Plot, aber vor allem ein selbstbewusster Protestantismus ohne Playmobil-Luther. Und das, obwohl der auch in Dänemark hergestellt wurde.