Nur wenige Tage nach Donald Trumps Amtseinführung vor bald zwei Jahren rollten Männer und Frauen in Lederkluft auf schweren Motorrädern auf den Rasen vor dem Weißen Haus und umringten dort den neuen Präsidenten. Es waren keine Rocker, sondern Manager des Motorradherstellers Harley-Davidson. Vor laufenden Kameras dankte Trump ihrem Unternehmen dafür, dass es in Amerika produziere. Mit ihm als Präsidenten, versprach er, werde das Unternehmen nun endlich wieder expandieren.

Harley-Chef Matthew Levatich revanchierte sich artig. Sein Unternehmen meldete auf Twitter unter Sternenbanner: Man werde zeigen, wie die "Industrieproduktion das Land einen" könne. Es schien der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Dann kam der vergangene Sommer.

Harley kündigte an, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. Der Präsident war so erbost, dass er die Amerikaner zum Boykott der chromblitzenden Bikes aufrief.

Heute ist der Aufstieg und Fall Harley-Davidsons in der Gunst des Präsidenten ein Beispiel, das zeigt, wie Trump mit seinem Versuch gescheitert ist, die Globalisierung zurückzudrehen. Im Wahlkampf hatte der Präsident routinemäßig gewettert, dass Chinesen, Europäer, Kanadier und Mexikaner sich an Amerikas Konsumenten bereicherten – auf Kosten der heimischen Industrien und Arbeitsplätze. Damit solle Schluss sein. Freund wie Feind sollten in Zukunft Zölle auf ihre Produkte bezahlen müssen.

Nach der Wahl prangerte Trump sogar heimische Unternehmen an, die gegen seine "America first"-Politik verstießen. Den Heizungs- und Klimaanlagenhersteller Carrier etwa, der seine Produktion ins Ausland verlegen wollte, setzte Trump derart mit Twitter-Tiraden unter Druck, dass das Unternehmen die Verlagerung, wenn auch nur zum Teil, zurücknahm.

Der Fall Carrier aber bleibt zwei Jahre nach Trumps Amtsübernahme ein Einzelfall. Die Bilanz von Trumps Politik der Einschüchterung ist mager, auch wenn das Marketing laut ist.

Zwar gibt es eine neue Version des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta), das nun umständlich United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA) heißt und vom Kongress bald ratifiziert werden könnte. Darin ist die Quote für Autoteile, die in Nordamerika gefertigt werden müssen, um zollfrei zu bleiben, von 62,5 auf 75 Prozent angehoben worden. Und, für Trump politisch wichtig: US-Milchbauern erhalten Zugang zum kanadischen Markt. Doch insgesamt sind die Änderungen vor allem kosmetisch. Auch das neue Abkommen mit Südkorea unterscheidet sich nicht wesentlich von der Vorgängerversion. Die Spielregeln des Welthandelssystems sind abgesehen von ein paar Zugeständnissen für Trump bisher intakt geblieben.

Ob Trumps drastische Maßnahmen gegen China den gewünschten Erfolg zeigen, bleibt abzuwarten. Der Präsident hat Zölle auf Importe im Wert von jährlich 250 Milliarden Dollar verhängt. Doch es geht um mehr: freien Marktzugang für US-Konzerne, ein Ende des Ideenklaus und die Abschaffung unfairer Subventionen. Erst am Wochenende erklärte Trump, er stehe kurz vor einem "Big Deal" mit den Chinesen. Bisher allerdings ist sein Handelskrieg ein Verlustgeschäft.