Als der Mann mit den tausend Gesichtern ist er in seiner Branche pausenlos beschäftigt. Fast kein Charakter, den er nicht schon gab, vom Musiker bis zum netten Nachbarn, vom mordenden Fiesling bis zum chaotischen Total-Verweigerer. Wobei letztere Performance dazu führte, dass man öffentlich über seinen Geistes- und Gesundheitszustand zu reden begann, bevor er selber den Spekulationen ein Ende setzte. Freilich funktioniert das alles nur mit Disziplin, wie er sagt: "Andere Schauspieler gehen nach Feierabend saufen, ich sitze in meinem Wohnwagen, vermeide überflüssige Gespräche und konzentriere mich auf den nächsten Arbeitstag."

Schon im Kleinkindalter traten er und seine Geschwister als Darsteller im Fernsehen oder live singend auf der Straße auf und reisten mit den Eltern quer durchs Land: "Wir wurden sehr frei erzogen, waren immer auf Achse." Nur nicht stehen bleiben, die Haltung der Eltern hat der überzeugte Veganer dann auf seine Art interpretiert: als Spielernatur, die ihre Grenzen (und die anderer) immer wieder aufs Neue auslotet. Solange alles ein Spiel ist, gibt es ja auch keine Bedrohung – anders als im Leben, das ihn früh mit Tod und Trauer konfrontiert hat. Als sein Bruder auf dem Gehweg neben ihm zusammensackte, musste er mit ansehen, wie der zwei Jahre Ältere starb. Ein Verlust, den er womöglich dadurch verarbeitet, dass er nun für zwei arbeitet. Aber lassen wir ihn selber zu Wort kommen: "Ich habe erkannt, dass ich noch so tief fallen und doch immer wieder aufstehen kann." Wer ist’s?

Lösung Nr. 1:

Anna Jurjewna Netrebko, geb. 1971 in Südrussland, ist als Sopranistin einer der größten Stars. 1994 begann ihre Karriere am Mariinski-Theater in St. Petersburg. Seit 2015 ist sie mit dem Tenor Yusif Eyvasov verheiratet. Zuvor war sie mit dem Bassbariton Erwin Schrott liiert; der gemeinsame Sohn leidet an einer leichteren Form von Autismus