"Du kannst nicht Schach spielen, wenn du freundlich bist", so lautet ein französisches Sprichwort. Der tschechische Spitzenspieler David Navara (33) gilt in der Schachwelt als das Nonplusultra an Fairness. Stets korrekt, ja sogar überkorrekt, berührte er beim World Cup 2012 versehentlich eine Figur, weswegen sein ukrainischer Gegner Oleksandr Mojissejenko auch nicht auf der "Berührt-geführt-Regel" beharrte. Im weiteren Verlauf erlangte Navara eine Gewinnstellung, doch als er mattsetzen konnte, bot er seinem Gegner trotz der großen Bedeutung der Partie Remis an.

Und er hat – mag man dies bei dem im Auftreten steifen, jungenhaften Mann a prima vista auch nicht vermuten – Humor, wie folgender Dialog von ihm zeigen mag:

Arzt: "Es ist eine sehr komplizierte Operation erforderlich."

Patient: "Und wie oft haben Sie diesen Eingriff schon ausgeführt?"

Arzt: "Zwölfmal."

Patient: "Da bin ich beruhigt!"

Arzt: "Ja, einmal muss es doch klappen!"

Eine Anspielung auf seine alljährlichen Wettkämpfe in Prag gegen absolute Weltklassespieler, die er seit Längerem verliert.

Der amerikanisch-französische Schriftsteller Julien Green (1900–1998) schrieb, dass der Schachstil den Charakter widerspiegele. Doch zuweilen lebt ein Schachspieler am Brett eine ganz andere Seite von sich aus, David Navara jedenfalls greift am liebsten unter Opfern an. Wie setzte er bei der Schacholympiade in Turin 2006 als Weißer den Kroaten Zdenko Kožul "gewaltsam" matt?

Lösung aus Nr. 1:

Wie eroberte Weiß zwingend Haus und Hof des Schwarzen? Mit 1.Dg1+! d4 (1...Kb5 2.Db6+ Ka4 3.Db4 matt) 2.Dg5+! Dd5 3.Tf5.

Nach 3...Dxf5 4.Dxf5+ Kd6 5.Df6+! war auch noch der im Eck verkrochene Springer futsch, weshalb Schwarz aufgab