Weil der FC Bayern sein Wintertrainingslager in der Sommerfrische von Katar anberaumt hat, ist er halt schon mal vorgeflogen. Ein paar Tage Urlaub in Dubai, bevor er wieder ranmuss. Das bietet sich ja auch an. Shoppen am Tag und am Abend die fröhliche Frage: Wo gehen wir essen? Man hat Hunger und weiß nicht, wohin damit.

Franck Ribéry ist in diesem Augenblick ganz auf sich gestellt. Niemand da vom Verein, der herbeieilt, ihn bei der Hand nimmt, dem Ziel einen Namen gibt. Wenn je eine Situation außer Kontrolle geriet, dann diese. Familie Ribéry landet in einer Gaststätte, in der sich zuvor schon Fifa-Chef Gianni Infantino gerne bedienen ließ. Infantino zeigte sich begeistert von dem Laden – eigentlich hätte Ribéry damit gewarnt sein müssen. War er aber nicht. Arglos bestellt unser Mann das Präsidentengericht: einen Klumpen Fleisch, üppig mit Blattgold überzogen.

Als dem Gast das güldene Mahl serviert wird, kann Ribéry seine Verzückung nicht mehr verbergen. Die Bilder, die der Franzose von diesem Dinner ins Netz gestellt hat, zeigen: So viel Vorfreude war selten. Der Franzose hat eine großflächige Serviette angelegt, reflexartig zucken seine Hände nach vorne. Dann beißt er zu. Seitdem ist was los. Man kann auch sagen, die Fotos gehen steil.

Es spielt seltsamerweise gar keine Rolle, welchen Preis der Wirt für seine Kreation aufruft. Kostet die Portion 1200 Euro, wie schnell berichtet wird? Oder werden beim Verzehr 1200 Dirham fällig, was in der Währung der Emirate knapp 300 Euro entspräche? Ist egal. Gold im Essen – also wirklich! Wir müssen schon sagen.

Ribéry wird demnächst 36 Jahre alt. Er ist also erwachsen. Allerdings ist er auch seit zwölf Jahren ununterbrochen beim FC Bayern unter Vertrag. Auch das mag sich auswirken. Ribéry hat immer alles gegeben, sagen sie an der Säbener Straße. Hat links angetäuscht und ist rechts vorbeigegangen. Ein ums andere Mal, zwölf Jahre lang. Irgendwann hat ihm jemand zu einer neuen Frisur geraten. Seitdem trägt der Franzose die Rückennummer "7" auch in den Haaren spazieren. So einer ist er.

Aus Gründen des Schutzes unserer jüngeren Leser wollen wir hier von einer Wiedergabe dessen absehen, was Bayerns Profi seinen Gourmet-Kritikern in Frankreich an Shitstorm zurückgeschwallt hat. Wenn wir die gewählten Worte richtig verstehen, scheint das Verhältnis zwischen Ribéry und seinen Landsleuten zumindest belastet.

Und Fußball-Deutschland? Diskutiert mit. Mahnende Finger, wohin man sieht. "Monsieur Ribéry, Niveau ist keine Hautcreme und Contenance keine Stadt in Frankreich!" (Bams). "Schande für den Fußball!" (Bild).

Vor ein paar Monaten haben die Granden des FC Bayern dem unbotmäßigen Journalisten-Pack im Lande mit dem Grundgesetz gedroht. Seitdem herrscht offensichtlich Pay-back-Time. Munter wird zurückkritisiert. Ist Ribéry mit seinem funkelnden Steak womöglich zwischen die Fronten geraten? Es wäre eine erlösende Erklärung für den deutschen Teil der Debatte. Franck Ribéry darf in Dubai essen, was ihm schmeckt. Damit sind wir noch einmal knapp an keinem Thema für eine Glosse vorbeigekommen.