In jedem spanischen Supermarkt gibt es diese kleinen, altmodischen Packungen Safran, weil jede Paella Safran braucht. Ich bin so sehr in die Farbe und den zarten, leicht süßlichen Geschmack vernarrt, dass ich jedes Mal azafrán mit nach Hause bringe, wie Safran auf Spanisch heißt und eigentlich arabisch ist. Es gibt ihn seit 5.000 Jahren, und er war immer schon sehr teuer. Nur Zeus konnte es sich leisten, auf einem Bett aus Safran zu schlafen. Lange galt er als Aphrodisiakum und Opiumersatz. Im Mittelalter kursierten Gerüchte, dass Safran so fröhlich macht, dass man in großes Gelächter ausbricht; allerdings, wenn man es übertreibt, auch Gefahr läuft, sich totzulachen. Um ein Kilogramm Safran zu gewinnen, braucht man fast 200.000 Blüten, sie müssen mit der Hand gepflückt werden. Ein Pflücker schafft nur etwa achtzig Gramm am Tag. Dazu kommt, dass er nur kurz blüht und auch nur einmal im Jahr. Also wirklicher Luxus. Deshalb wird auch gern geschummelt und Lebensmittelfarbe oder Kurkuma in die Paella gemischt. So wird sie auch gelb, aber eher orangegelb und nicht sonnengelb wie durch Safran – und sie schmeckt auch anders.

Allein das Wort Safran macht mich schon nostalgisch. Mir fällt der alte Kinderreim ein: "Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl", was ich als Kind nie verstanden habe, aber was wohl gelb heißen soll. Lange habe ich nicht gewusst, dass der leuchtend lila Krokus mit seinen gelben Blütenstängeln, der bei uns im Herbst blüht und leicht mit der giftigen Herbstzeitlosen zu verwechseln ist, der Safran-Lieferant ist. Man könnte sich also auch bei uns im Herbst auf die Wiese legen und vorsichtig Stängel für Stängel ernten, riskiert damit aber bei Verwechslung einen schlimmen und schnellen Vergiftungstod. Ich öffne also lieber die dünnen Papierheftchen aus der spanischen Packung und lasse die hauchfeinen Safranfäden in den Risotto Milanese schweben, der wie die Paella darauf besteht, sonnengelb zu sein. Ich fange an zu lächeln, zu grinsen, zu kichern – Safran macht fröhlich. Funktioniert jedes Mal.