Das vatikanische Presseamt hat alle Hände voll zu tun. Ende des Monats findet in Panama der Weltjugendtag statt, ein katholisches Großevent. Wenig später begibt sich Papst Franziskus auf eine diplomatisch heikle Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate. Seit Kurzem macht ihm außerdem der Fall Gustavo Oscár Zanchetta zu schaffen. Der Argentinier war einer der ersten Bischöfe, die Franziskus zu Beginn seines Pontifikats nominierte. Angeblich wegen gesundheitlicher Probleme wurde der Monsignore im August 2017 aus seiner Diözese im Norden Argentiniens abgezogen und vier Monate später als Mitarbeiter der vatikanischen Güterverwaltung weiter beschäftigt. Jetzt ermittelt der Vatikan gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs, und im Hintergrund schwelt die nicht beantwortete Frage: Versuchte der Papst einen Landsmann vor Strafverfolgung zu schützen?

Ende Februar soll das Dilemma des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche bei einer beispiellosen Konferenz angegangen werden. Die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen, die erste Garde im Vatikan und der Papst persönlich beraten dann gemeinsam über Lösungsvorschläge. Franziskus muss sich seit August zudem den Vorwurf gefallen lassen, die Missbrauchstaten des früheren Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick, jahrelang ignoriert zu haben. So viel schlechte Presse wie derzeit bekam der frühere Medienliebling Franziskus nie zuvor. In dieser komplexen Lage haben sich zum Jahresende die beiden wichtigsten Mitarbeiter des Papstes in dieser Hinsicht verabschiedet, seine beiden Pressesprecher. Der 59-jährige US-Amerikaner Greg Burke und seine spanische Stellvertreterin Paloma García Ovejero (43) traten am 31. Dezember zurück – nach nur zweieinhalb Jahren im Amt. Waren sie angesichts der Herausforderungen überfordert?

Als Begründung für den überraschenden Schritt lieferte Burke folgenden Satz: "In dieser Zeit des Übergangs in der Vatikan-Kommunikation denken wir, es ist das Beste, dass der Heilige Vater freie Hand hat, ein neues Team zusammenzustellen." Burke teilte außerdem mit, er und Ovejero, beide treue Katholiken und als frühere Journalisten im Vatikan-Pressekorps durchaus angesehen, hätten monatelang über dieser Entscheidung "gebetet" und seien sehr in Frieden mit ihr. Interimsmäßig hat der Italiener Alessandro Gisotti ihre Ämter übernommen, er war langjähriger Mitarbeiter bei Radio Vatikan und zuletzt für soziale Medien in der Vatikanbehörde für Kommunikation zuständig. Gleichwohl hat es den Anschein, als stehe der Papst in der vielleicht kompliziertesten Phase seiner Amtszeit plötzlich nackt da, also ohne ein eingespieltes Team für seine Außendarstellung.

Sein unkompliziertes Auftreten, aber auch einige flotte Sprüche machten Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit schnell zum Medienstar. Inzwischen hat sich die internationale Presse entliebt und empört sich meist über den Skandalgehalt in den Worten des Papstes. Im Herbst verglich Bergoglio Abtreibung mit "Auftragsmord". Die folgenreichste Kommunikationspanne leistete sich Franziskus vor einem Jahr, als er Betroffene von sexuellem Missbrauch der "Verleumdung" bezichtigte, weil diese einen chilenischen Bischof und vermeintlichen Mittäter zum Rücktritt aufgefordert hatten. Spätestens damals zeigte sich, wie kompliziert Pressearbeit in Diensten eines Vorgesetzten ist, der auf größter Autonomie beharrt und sich seine Gesprächspartner auch selbst wählt.

Burke, der früher bei Fox News und dem Time Magazine arbeitete und bereits 2012 als Kommunikationsberater des Vatikans engagiert wurde, und Ovejero, früher eine bekannte Radiojournalistin in Spanien, konnten den impulsiven Franziskus nie bremsen. Direkten Zugang zu ihm bekamen sie nur selten.

Selbst in wichtige Schriftstücke bekamen sie oft späte Einsicht. Einen Brief, den Franziskus im Oktober Donald Kardinal Wuerl, dem infolge des US-Missbrauchsskandals zurückgetretenen Erzbischof von Washington, schrieb, bekam das Presseamt erst kurz vor Veröffentlichung zu sehen. Die päpstliche Lobeshymne auf Wuerl, dem die US-Justiz Vertuschung im großen Stil anlastet, wurde so publik. Die Worte des Papstes machten deutlich, wie sehr die katholische Kirche und ihr Oberhaupt trotz aller Skandale und Bemühungen weiterhin in den alten Mustern gefangen sind. Der Brief beschrieb aufschlussreich die Wirklichkeit. Im Sinne einer gelungenen Außendarstellung war er fatal.