1. Durchatmen!

Der Kung-Fu-Großmeister Chu Tan Cuong aus Halle lehrt eine einfache Atemübung, auf deren beruhigende Wirkung sogar Sachsen-Anhalts Innenminister schwört. Wie funktioniert sie?

Chu Tan Cuong: " Mein spezielles Konzept ist einfach zu lernen und lässt sich überall anwenden. Egal, wo Sie sind – und egal, in welcher Position Sie sich gerade befinden: im Stehen, im Sitzen, im Liegen. Es geht darum, ein- und ganz langsam wieder auszuatmen. Das Geheimnis ist, beim Ausatmen den ganzen Körper anzuspannen. Quasi dabei den Körper innerlich zusammenzupressen. Was dabei hilft, ist, zu zählen: beim Einatmen bis fünf. Und beim Ausatmen bis zehn. Noch ein Tipp: Strecken Sie beim Üben Hände und Füße. Das erhöht die Konzentration. Sie werden sehen, dass diese einfache Technik hilft, Druck abzubauen. Wichtig ist nur, es täglich zu machen. Ich empfehle mindestens sieben Minuten. Vor stressigen Auftritten oder wenn man aufgeregt ist, kann man den Effekt jederzeit abrufen.

Vor einigen Jahren fragte mich der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), ob ich ihm meine Atemtechnik beibringen könne. Er hat sie sehr schnell gelernt. Schon im Auto, wenn er auf dem Weg zu einer Veranstaltung ist, macht er die Übung. Wahrscheinlich, damit er ausgeglichener ist, wenn dann viele Fragen von Bürgern kommen."

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2. Auf die Fakten schauen

Manchmal erweckt die öffentliche Debatte den Eindruck, die AfD habe schon gewonnen. Dabei gibt es gute Argumente, dass ihre Wachstumschancen begrenzt sind, sagt der Erfurter Demoskop Hermann Binkert

DIE ZEIT: Herr Binkert, Ihr Insa-Institut erfragt wöchentlich, welche Partei die Deutschen aktuell wählen würden. Wird die AfD immer stärker?

Hermann Binkert: Nein, wird sie nicht. Zwar erhält die Partei im Osten besonders hohen Zuspruch, unserer jüngsten Umfrage zufolge sind es 24 Prozent, im Westen nur 13 Prozent.

ZEIT: Aber?

Binkert: Die AfD hat gleichzeitig das geringste zusätzliche Potenzial. Anders gesagt: Sie hat nicht viel Luft nach oben. Wir fragen nämlich auch: "Welche der folgenden Parteien können Sie sich grundsätzlich vorstellen, auch zu wählen?" Da kommt die AfD auf einen Wert von gerade einmal vier Prozent im Osten. Die SPD kommt da auf zwölf Prozent, die CDU auf elf Prozent. Und dann fragen wir auch noch: "Welche Partei können Sie sich grundsätzlich gar nicht vorstellen zu wählen?"

ZEIT: Wie lautet dann die Antwort?

Binkert: Da erklären mit Abstand die meisten: AfD zu wählen, könnten sie sich gar nicht vorstellen. 58 Prozent der Ostdeutschen sagen das.

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3. Polemik ist erlaubt, Herabwürdigung nicht

Sagt Bodo Ramelow, Thüringens Ministerpräsident: "Ein Wahljahr ist nicht ohne. Die Regierung stellt sich dem Urteil der Wählerinnen und Wähler und möchte diesen Test natürlich bestehen. Die Opposition will sich als bessere Alternative empfehlen und kann schon deshalb kein gutes Haar an der Regierung lassen. Alle werden nervöser, der Ton wird rauer. In diesen Zeiten besonnen zu bleiben ist nicht immer einfach, aber notwendig. Es gibt eine Regel: Polemik? Ja! Persönliche Herabwürdigung jedoch? Nein! Die demokratischen Parteien sollten sich nicht von vornherein wechselseitig den guten Willen abstreiten. Und nicht jeden Gedanken, der von den eigenen abweicht, schon deshalb als falsch verdammen. Der Maßstab unseres Urteils sollte sein, dass wir im Konkreten etwas verbessern wollen. Und wir sollten uns die Zeit nehmen, Geschehnisse sorgfältig zu prüfen, bevor wir sie öffentlich deuten. Die Kunst, im Streit zuhören zu können, nimmt dem Wahlkampf nichts von seiner Schärfe, macht uns aber am Ende womöglich alle klüger. Dieses Ziel lohnt jede Anstrengung."

Der Linke Bodo Ramelow, 62, ist Ministerpräsident Thüringens. Er kämpft 2019 um seine Wiederwahl

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4. Die Journalisten können auch was tun

Nayla Fawzi, Medienforscherin an der LMU München, über den Beitrag der Medien

DIE ZEIT: Frau Fawzi, könnten auch Medien in diesem Jahr für übergroße Aufregung sorgen?

Nayla Fawzi: Es ist vor allem die berühmte Stöckchenfalle, vor der man sich in Acht nehmen sollte: Die Medienlogik ist besonders anfällig für Provokationen populistischer Parteien. Gerade mit Überspitzungen und Vereinfachungen hat man gute Chancen, in die Zeitung zu kommen. Wenn Journalisten sich das öfter bewusst machen, lässt sich manche Empörungswelle verhindern.

ZEIT: Soll das heißen, dass Medien nicht mehr über die AfD berichten sollten?

Fawzi: Nein, sondern dass sie sich von Populisten nicht die Themenwahl einengen lassen müssen. Die Bevölkerung projiziert in diejenigen eine besondere Kompetenz, die ein Thema setzen. Im Fall der AfD ist das die Migration. Wichtig ist, nicht nur über Migration zu sprechen, sondern auch über andere Themen, die relevant sind.

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5. Man schießt auch schnell übers Ziel hinaus

Dem Cottbusser Stadtsprecher Jan Gloßmann wurde in dieser Woche vorgeworfen, er habe mit einer Pressemitteilung Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Wie kam es dazu?

DIE ZEIT: Herr Gloßmann, nachdem in der Silvesternacht in Cottbus ein Mann mit "südländischem Aussehen", so die Polizei, einen Deutschen attackierte, veröffentlichten Sie eine offizielle Mitteilung der Stadt. Darin heißt es: "Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben." Haben Sie da selbst zur Eskalation beigetragen?

Jan Gloßmann: Das glaube ich nicht. Ich habe versucht, mit zugegeben drastischen Worten schnell auf diese Tat zu reagieren. Das war auch notwendig, denn schon am Neujahrstag erreichten uns die ersten Bürgerfragen: Was sagt die Stadt dazu? Wie handelt die Stadt? Wir dürfen die Leute mit ihren Fragen nicht alleinlassen.

ZEIT: Aber hätte es Alexander Gauland nicht genauso formuliert wie Sie in Ihrer Mitteilung?

Gloßmann: Ich habe im Grunde auf die geltende Rechtslage verwiesen. Tatsächlich haben wir hier in Cottbus schon Asylbewerber, die wiederholt kriminell wurden, abgeschoben oder – je nach Rechtslage – der Stadt verwiesen. Ich will aber gar nicht abstreiten, dass meine Zeilen auch einer gewissen Emotionalität entsprungen sind. Ja: Da war Frust dabei. Schon voriges Jahr gab es in Cottbus in der Silvesternacht und danach ähnliche Gewalttaten. Das ärgert mich, weil diese die vielen Bemühungen um Ruhe, Ordnung und Sicherheit, aber auch um den Zusammenhalt in Misskredit bringen. Aber, klar: Vielleicht ist es gerade in diesem Jahr gut, wenn wir darüber besonnener sprechen und die Mühen, Problemlösungen und den Einsatz vieler Menschen für ein respektvolles Miteinander in den Mittelpunkt stellen.

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6. Guter Streit braucht ein paar Regeln

Drei Tipps von Annette Rehfeld-Staudt, Organisatorin der Aktion "Lasst uns streiten!" der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung:

1. Gehen Sie nie mit dem Vorsatz in die Diskussion, nur ihr Statement abzugeben, ohne sich die andere Seite anhören zu wollen. Kommen Sie erst recht nicht mit einem vorbereiteten Zettel!

2. Vor allem für Online-Debatten gilt: Vergessen Sie nie, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt.

3. Entgegnen Sie einem Gesprächspartner nie, dass etwas "Schwachsinn" sei. Bleiben Sie sachlich, und bewerten Sie nicht.

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