In der Kolumne "Zeitzeichen" schreibt der Reporter Ulrich Stock regelmäßig aus dem Redaktionsalltag von ZEIT und ZEIT ONLINE.

Eine Grundbedingung jedes Mediums ist seine Erscheinungsweise. Bei der ZEIT orientiert sich alles auf den Donnerstag, wenn die neue Ausgabe herauskommt. Gelesen wird das Blatt dann nicht auf einmal und sofort. Auch das Wochenende bietet dazu ja noch Gelegenheit. Das Wochenblatt ist eben weder Tageszeitung noch Sonntagszeitung, mit denen man am Abend ihres Erscheinens fertig ist: Es lädt zur Portionierung ein. Noch am Montag, Dienstag und Mittwoch lässt sich auf den Seiten Interessantes entdecken.

Manche Abonnenten dehnen die Lektüre über die Woche hinaus aus, sodass hinter ihrem Sofa eine Stapelbildung einsetzt. Einst bekam ich den Anruf einer Leserin, die beim Aufräumen einen Artikel zum 100. Geburtstag von Billie Holiday hinter dem Sofa hervorgezogen hatte und nun, tief berührt vom Leben dieser Sängerin, ein Wort des Dankes sagen wollte – Momente nach der Lektüre, Monate nach dem Erscheinen.

Für ZEIT ONLINE lässt sich das Leseverhalten präziser ermitteln, weil jeder Seitenaufruf gezählt wird. Wir wissen genau, zu welchem Zeitpunkt welches Thema welches Interesse ausgelöst hat. Interessanterweise gibt es auch hier einen wöchentlichen Lese-Rhythmus, der sich von dem des Blattes allerdings signifikant unterscheidet. Der Mittwoch ist der stärkste Tag, noch vor dem Montag. Dienstag und Donnerstag liegen ungefähr gleichauf. Zum Wochenende hin fällt die Leselust ab, der Samstag ist der schwächste Tag.

Bei spekulativer Zuspitzung dieser Fakten ergibt sich: Online liest man im Büro (gern morgens um elf), das Blatt irgendwann. Beides mit Genuss.

Alles hat seine Zeit.