Als Anfang Januar eine Bombe vor dem Döbelner AfD-Büro detoniert, erschrecken sich in der Dönerbude "Armer Ali" schräg gegenüber zahlreiche Gäste. Sie werden danach von einem lauten Knall berichten, von Rauch. Die Bombe verteilt den Inhalt des Mülleimers, in dem sie versteckt war, auf der ganzen Straße. Zwei Autos und die Nachbarhäuser nehmen Schaden. Im AfD-Büro bricht Feuer aus, die Feuerwehr muss ausrücken. "Das ist ein Angriff auf meine Partei", sagt Rolf Weigand, der AfD-Landtagsabgeordnete, der das Bürgerbüro betreibt.

Eine Serie von Attacken auf ihre Büros erlebte die AfD in den vergangenen Wochen in Sachsen. "Die Gewaltspirale dreht sich schneller. Jeden Tag passiert irgendetwas", sagt Carsten Hütter, Vizechef der sächsischen AfD-Fraktion. Am Riesaer Büro ging in der Silvesternacht eine Farbbombe hoch, fast die komplette Fassade ist seither rosa. In Freiberg zerstörten Unbekannte in derselben Nacht die Eingangstür einer Geschäftsstelle der Partei. AfD-Vertreter sprechen von einer Eskalation der Gewalt. Und habe nicht der Fall des Bremer AfD-Landeschefs Frank Magnitz, der auf offener Straße umgestoßen und dabei schwer verletzt wurde, gezeigt, wie kurz der Weg von Sachbeschädigung hin zum Angriff von Menschen ist? Dass die Hemmschwelle sinkt?

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) jedenfalls sieht in dem Anschlag von Döbeln eine "neue Qualität", er sagt: "Der Staat wird dies nicht hinnehmen und mit aller Härte und rechtsstaatlichen Mitteln dagegen vorgehen."

Treffen Angriffe die AfD tatsächlich überdurchschnittlich häufig?

Wer Sachsens Landeskriminalamt fragt, erhält die klare Antwort: ja. Seit 2014 sei die Partei insgesamt 143-mal Opfer von Angriffen auf ihre Einrichtungen geworden. Die Linke folge auf Platz zwei, 88 Attacken auf deren Büros gab es im gleichen Zeitraum in Sachsen. In den anderen ostdeutschen Bundesländern ist die Lage, bei etwas geringeren Fallzahlen, ähnlich.

Wobei, das sagt auch AfD-Mann Hütter, die Schwere der Angriffe stark schwanke: Früher habe die AfD alles zur Anzeige gebracht, vom Aufkleber an der Tür bis zur eingeschlagenen Scheibe oder einem Sprengsatz wie in Döbeln. Heute melde man überhaupt nur noch die wirklich schwerwiegenden Vorfälle. Bombenanschläge wie in Döbeln sind selten. Häufiger – wenn auch schlimm genug – sind Steinwürfe gegen Schaufenster. Besonders oft kommt es vor, dass Werbeplakate oder Fensterwerbung besprüht werden. Weil das, so ist zu hören, schnell geht und kaum Vorbereitung benötigt. Und: Die Täter müssen sich fast keine Sorgen machen, gefasst zu werden. Aufgeklärt wird nur ein Bruchteil solcher Fälle.

Dabei teilen AfD und Linke das Schicksal, dass sie die Schäden häufig auf eigene Rechnung beheben lassen müssen. "Die Versicherungen kündigen nach zwei oder drei Vorfällen", sagt der AfD-Politiker Hütter. Und im Internet kursieren Aufrufe: Eine Seite sammelt die Angriffe auf die AfD und fordert dazu auf, ihr die Monate bis zur Landtagswahl 2019 in Sachsen so "unangenehm und teuer" wie möglich machen. Die Partei will deshalb das Sicherheitskonzept zur Landtagswahl anpassen. "Wir rüsten stark mit Kameras auf und sind unter anderem mit dem Landesdatenschutzbeauftragten im Gespräch, wie weit wir die Kameras in den öffentlichen Raum richten können", sagt Hütter. Er spricht zudem von privaten Sicherheitskräften. Und auch die Sicherheitsbehörden achten verstärkt auf die Einrichtungen. Während des Europa-Parteitages der AfD in Riesa am vergangenen Wochenende fuhren Streifenwagen immer wieder am Büro in der Stadt vorbei.

Zur Wahrheit gehört, dass die meisten Attacken auf die AfD 2016 stattfanden, dass die Zahlen in den Jahren 2017 und 2018 sogar leicht gesunken sind. Allerdings, so vermutet man in Sachsens Landeskriminalamt, könne sich das 2019 auch schnell ändern: Die Erfahrung zeige, dass rund um Wahlen die Fallzahlen steigen. Die Brandenburger Linken-Politikerin Andrea Johlige, die seit Jahren Statistiken über Angriffe auf Parteibüros zusammenträgt, sagt: "In der Regel sind die Parteien betroffen, die am meisten polarisieren. Und wenn über eine Partei viel geredet wird, verstärken sich auch die Angriffe." Bis 2014 waren in Brandenburg fast ausschließlich Linken-Büros betroffen – auch weil die AfD vor ihrem Einzug in den Landtag kaum eigene Räume hatte. 2015 schossen die Fallzahlen dann in die Höhe. Aufseiten der Linken ebenso wie bei der AfD.

Längst jedoch beschränkt sich der Hass nicht mehr ausschließlich auf diese beiden.

Es gibt auch eine Statistik, die von einer ganz anderen Partei angeführt wird: Geht es um persönliche Angriffe auf Politiker, um Beleidigungen und Bedrohungen, im echten Leben und im Internet, dann ist zumindest in Sachsen am stärksten die CDU betroffen.