I. Aufsehen erregen

Blockbuster-Museum nennt sich die Ausstellung in Wuppertal, mit der das Von der Heydt-Museum derzeit publikumswirksam vorführt, wie der Museumsalltag hinter den Kulissen aussieht. So ironisiert der Titel den Hang – und oft auch den Zwang – wichtiger Museen, mit aufsehenerregenden Ausstellungen ein großes Publikum anzuziehen, um so auf sich aufmerksam zu machen.

II. Dem Militär entlehnt

Das Wort ist dem Arsenal des Militärs entliehen. Als "Blockbuster" wurden im Zweiten Weltkrieg Luftminen bezeichnet, die ganze Häuserblöcke zerstörten. Nach dem Krieg wurde der Begriff auf große Ereignisse übertragen. Bereits in den Fünfzigerjahren findet er sich im Oxford English Dictionary, in den Siebzigerjahren bürgerte er sich dann für publikumsträchtige Filme ein. Seit den Neunzigern wurde er schließlich auch für Ausstellungen gebraucht. Ein typischer Museums-Blockbuster war Ikonen der Moderne: Die Schtschukin-Sammlung 2017 in der Pariser Fondation Louis Vuitton mit 1,2 Millionen Besuchern. Ein anderes Beispiel aus dem vergangenen Jahr war die Ausstellung Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination im New Yorker Metropolitan Museum mit 1,7 Millionen Besuchern. Wer sie besuchen wollte, musste oft stundenlang in der Schlange stehen, ehe er eingelassen wurde.

III. Teure Extravaganzen

Blockbuster sind gewöhnlich mehr ein "Event" als ein bedeutendes kulturelles Ereignis. Die Museen, deren Etat solche Extravaganzen eigentlich nicht erlaubt, agieren dabei wie Profitcenter, die zusätzlich auf Drittmittel von Stiftungen und Sponsoren angewiesen sind. Sie müssen einen erheblichen Teil davon wiederum für Marketing, PR und Werbung ausgeben, um die Besucherzahlen zu pushen. Deshalb eignen sich dafür nur Themen, die nicht sperrig sind, wie der Impressionismus, die Kunst der Renaissance, Tutanchamun oder neuerdings Modeinszenierungen à la McQueen oder Dior.

IV. Fataler Effekt

Blockbuster-Ausstellungen haben jedoch eine Art Jo-Jo-Effekt, der sich als fatal erwiesen hat. Die Beachtung, die sie beim Publikum finden, ist einerseits ein Reflex auf die Rekordpreise, die vor allem bei Auktionen erzielt werden. Andererseits spiegelt eine hohe Besucherzahl die Beliebtheit des Künstlers, was sich wiederum in steigenden Preisen auf dem Kunstmarkt niederschlägt. So befeuern sich Blockbuster-Ausstellungen und Rekordpreise gegenseitig. Und darunter leiden die Museen nur allzu oft. Denn den höheren Einnahmen dank vieler Besucher – bei meist heraufgesetzten Eintrittsgeldern – stehen die erheblichen Kosten gegenüber, für die Leihgaben, den Transport, zusätzliches Aufsichtspersonal und Versicherungen.