Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Gern sagte man einst Kindern, die sich für allzu schlau hielten: "Da musst du aber früher aufstehen!" Auch dass nur der frühe Vogel den Wurm fängt, versuchte man Klein und Groß klarzumachen. Der Wurm an der Sache war und ist es aber, dass die Gegenbeispiele Legion sind. Wie oft schon bekamen Spätbucher günstigere Hotelzimmer. Ganz zu schweigen von Toren in der Nachspielzeit, die erst ein Spiel entschieden. Für Arbeitslose gilt das ebenso. Je später sie aufstehen, desto mehr können sie ihren beneidenswerten Zustand genießen. Zwar ist arbeitslos nicht gleich arbeitsscheu, doch das ist für alle, die nie einen richtigen Job hatten und von ihrer Partei durchs Leben getragen wurden, schwer zu verstehen. De facto ist das Arbeitslosenleben lustig. Spätes Aufstehen, nach einem ausgiebigen Sektfrühstück zum Barbier. Zu Mittag Massage, dann Plausch mit anderen Sozialschmarotzern im Café beim Billard und schließlich ein gemütliches Abendessen. Langes Ausschlafen ist auch ökologisch durchaus sinnvoll. Wer später munter wird, verbraucht insgesamt weniger Energie. Wenn alle länger schliefen, müssten die öffentlichen Verkehrsmittel in der Früh gar nicht fahren. Revolutionär wäre, wenn das ganze Land erst am späten Nachmittag erwachen würde. Kleines Problem dabei wäre, dass auch der Konsum zeitlich beschränkt wäre. Aber das ließe sich über Zustelldienste regeln. Am besten wäre es natürlich, wenn niemand mehr aufstehen würde. Eine schlafende Bevölkerung bedeutet keine Kriminalität und vor allem keine Kritik an der Politik. So würden auch sämtliche Wahlen verschlafen, und alles bliebe beim Alten. Seltsam, dass dieser Aspekt von der Regierung bisher nicht bedacht wurde.