Petra Schwerin, 1961 in Salzwedel geboren, kauft das Essen für ihren Bischof am liebsten auf dem Markt. © Barbara Dietl für DIE ZEIT

Frage: Frau Schwerin, muss der Bischof gerade eigentlich wegen uns hungern?

Petra Schwerin: Wieso?

Frage: Weil Sie zur Mittagszeit mit uns zusammensitzen.

Schwerin: Nein, ich weiß gar nicht, ob er inzwischen zu Hause ist. Wir haben da keinen festen Ablauf. Er hat unglaublich viele Termine. Meist koche ich erst abends.

Frage: Essen Sie gemeinsam?

Schwerin: Ja, normalerweise in der Küche. Früher haben Pfarrer oft alleine gegessen und die Haushälterinnen auch. Das ist heute weithin nicht mehr üblich.

Frage:  Worüber reden Sie beim Essen?

Schwerin: Über alles Mögliche, nicht aber über dienstlich vertrauliche Angelegenheiten. Diskretion und Loyalität sind jedoch das A und O für eine Haushälterin. Eines kann ich Ihnen aber verraten: Wir schweigen manchmal sehr gerne beim Essen. Jeder hängt seinen Gedanken nach.

Frage: Wie ist der Bischof so, wenn er hungrig ist?

Schwerin: Ich kann Ihnen versichern: Er ist ein sehr beherrschter Mensch. 

"Wenn er vegan essen wollte, bekäme er das auch. Ich bin schließlich angestellt."
Petra Schwerin

Frage: Kocht man für einen Bischof anders als für einen Pfarrer?

Schwerin: Dieser Unterschied ist für mich dabei nicht entscheidend. Ich habe besonders für diesen einen Menschen zu sorgen – egal, was seine Aufgabe ist. Trotzdem vergesse ich das Amt niemals. Bischof Feige ist aber sehr pflegeleicht, was das Essen angeht. Ihm schmeckt’s!

Frage: Wir haben gehört, dass Sie beide nur wenige Kohlenhydrate, aber viel Eiweiß essen. Stimmt das?

Schwerin: Ja, ich habe vor zweieinhalb Jahren damit angefangen – aus gesundheitlichen Gründen. Ich konnte so 17 Kilogramm abnehmen. Trotzdem wollte der Bischof zuerst nicht mitmachen. Anfangs musste ich immer zwei Gerichte kochen.

Frage: Wie konnten Sie ihn dann überzeugen?

Schwerin: Er wollte schon lange etwas für seine Gesundheit tun und mit seinem Gewicht runtergehen. Irgendwann hat er ein Foto von sich angeguckt und gesagt: Jetzt muss sich was ändern. Und er hat ja gesehen, dass das bei mir funktioniert. Seitdem essen wir sehr konsequent.

Frage: Gibt es keine Naschecken im Bischofshaus?

Schwerin: Nein!

Frage: Mal schnell in den Imbiss geht der Bischof auch nicht?

Schwerin: Das kann ich mir kaum vorstellen. Allerdings schmeckt uns gelegentlich auch eine türkische Pizza.

Frage: Wie kann ein Bischof den täglichen Versuchungen entgehen? Ständig ist er auf Terminen, überall bietet man ihm Essen an ...

Schwerin: Darüber klagt er auch. Meist verzichtet er – oder isst nur einen symbolischen Happen.

Frage: Könnten Sie auch für einen Bischof kochen, der Veganer ist?

Schwerin: Wenn er vegan essen wollte, bekäme er das auch. Ich bin schließlich angestellt und würde es versuchen. Aber ganz auf Fleisch zu verzichten, das wäre für uns beide nichts.

"Ich friere ein paar Portionen Altmärkische Hochzeitssuppe ein. Die gibt’s an Feiertagen, da legt er Wert drauf."

Frage: Am Freitag geht in Berlin die Internationale Grüne Woche los – da geht es sicher auch wieder um ökologische Landwirtschaft. Sind Ihnen solche Themen wichtig?

Schwerin: Ja, ich koche saisonal. Mir würde nie einfallen, jetzt eine Tomate zu kaufen. Auch Spargel gibt’s nur zur Spargelzeit.

Frage: Aber was machen Sie, wenn der Bischof im November Spargel essen will?

Schwerin: Das will er nicht. Wir sind da auf einer Wellenlänge. Gott sei Dank! Ich friere nur ein paar Portionen für die Altmärkische Hochzeitssuppe ein. Dazu braucht man Spargel, Eierstich, Fleischklößchen und Geflügelbrühe. Die gibt’s an Feiertagen, da legt er Wert drauf. Aber mehr auch nicht.

Frage: Wo kaufen Sie Fleisch?

Schwerin: Wenn ich meine Eltern in der Altmark besuche, mache ich immer einen Großeinkauf in einer Landfleischerei und bei einem Wildzüchter. Ansonsten gehe ich auch gern auf den Wochenmarkt.

Frage: Wie ist Ihre Küche ausgestattet?

Schwerin: Es ist eine ganz normale Einbauküche. Ohne Spülmaschine. Ich spüle von Hand. Das macht der Bischof auch manchmal ganz gern.