Da tritt der derzeit weltbeste deutsche Tenor im weltbesten, zu 99 Prozent ausgebuchten deutschen Konzertsaal auf – und alles läuft schief. Jonas Kaufmann in der Hamburger Elbphilharmonie: Gibt es Leckereres? Vielleicht hätte nicht unbedingt Mahlers Lied von der Erde auf dem Programm stehen müssen, diese Riesenschlange mit Gesang, und vielleicht hätte Kaufmann nicht unbedingt beide Partien singen müssen, die des Tenors und die des Baritons, sondern sich lieber einen Zweitsänger leisten sollen. Den Zuhörern, die in seinem Rücken saßen, war das vermutlich egal. Sie wollten einfach nur Jonas Kaufmann in der Elbphilharmonie hören. Irgendwie hörten sie ihn aber nicht oder nur schlecht oder nur manchmal. Die "Elphi" wird nach wie vor von vielen Menschen besucht, die mit den Bräuchen in einem Konzertsaal nicht vertraut sind, und einige dieser Menschen machten ihrem Ärger Luft. Rannten herum und riefen Unflätiges in die Musik hinein, gerne an den leisen Stellen ("Hier hört man auch nichts!").

Das brachte den Künstler aus dem Konzept und im Nachgang zu drei richtungsweisenden Erkenntnissen: 1. Akustisch wäre eine Elphi aus Holz viel besser gewesen, weil Holz schöner schwingt. 2. Den nächsten Hamburger Liederabend wird er in der "wunderbaren" Laeiszhalle geben – es sei denn, 3., man gönnt dem Großen Saal endlich eine kleine Drehbühne. Angst vor Schwindelgefühlen hat einer wie Kaufmann natürlich nicht.