Was wir wissen

Der Klimawandel ist längst eine globale Eskalation. Das belegen unzählige Daten. Mithilfe von Modellen können Forscher zeigen, wie die Entwicklung wahrscheinlich weitergeht.

Auf dem Hohenpeißenberg in Oberbayern, südwestlich von München und mit Blick auf den Alpenhauptkamm, thront in knapp tausend Meter Höhe ein früheres Kloster, dem die Säkularisierung nicht die strenge Disziplin ausgetrieben hat. Denn das historische Gemäuer beherbergt ein meteorologisches Observatorium, und dieses wiederum eine der ältesten fortlaufenden Messreihen der Welt. Seit 1781 haben hier Generationen von Naturforschern, Wettermönchen gleich, die Temperatur gemessen. Heute zieht sich im Vortragsraum des Altbaus unter der Decke fast über zwei Wandbreiten ein Diagramm entlang. Blaue Zacken zeigen Temperaturen, die unter dem langjährigen Mittel lagen, rote solche darüber. Diese Fleißarbeit steht für das Streben der Menschen, das Gefühl fürs Wetter und für den Verlauf der Jahreszeiten zu objektivieren. Dabei geht es nicht nur um Wärme oder Kälte. Es geht um die Bewegungen und Trends, also um die "Statistik des Wetters" – so definiert die Welt-Meteorologie-Organisation: Klima.

Die Messreihe in Oberbayern zeigt ähnlich wie viele andere an den unterschiedlichsten Orten aufwärts. Plus 1,8 Grad Celsius seit dem Jahr 1880, etwas mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Im globalen Mittel hat sich die bodennahe Lufttemperatur vom Beginn des Industriezeitalters an um etwa ein Grad Celsius erwärmt. Unzählige Messreihen wie jene aus Oberbayern sind in diese abstrakte, ja unscheinbar wirkende Zahl eingeflossen. Sie ist der Fingerabdruck des Klimawandels.

Die Kenntnis dieser Veränderung in der Atmosphäre speist sich aus Beobachtungen und Messungen. Grundlegende Erkenntnisse der Physik erklären sie, und Spuren aus der tiefen Vergangenheit helfen dabei, sie einzuordnen. Den Blick in die Zukunft schließlich erlauben dann die digitalen Konstruktionen der Computermodelle.

Das Observatorium im alten Kloster gehört heute zum Deutschen Wetterdienst (DWD), dessen Forscher im ganzen Land nicht nur die Erwärmung festhalten, sondern auch deren Folgen. So protokollieren sie etwa, dass die Stieleiche im Vergleich zum langjährigen Mittel ihre Blätter heute ein paar Tage später verliert, im Vegetationskalender das Zeichen für den Winteranfang. Die Haselblüte läutet Mitte statt Ende Februar den Vorfrühling ein.

Auch in der japanischen Kaiserstadt Kyoto kommt der Frühling immer früher. Seit dem Jahr 800 notieren dort die Gärtner den Beginn der Kirschblüte ("Hanami"). Meist lag der zwischen dem 10. und 20. April. Inzwischen öffnen sich die Blüten immer rascher nach dem Monatsersten.

In den Bergen ziehen sich die Eiszungen zurück. Weltweit haben die Gebirgsgletscher – außerhalb von Arktis und Antarktis – seit dem Beginn der Industrialisierung erheblich an Eismasse eingebüßt. An vielen Küsten steigen die Pegel und global betrachtet der Meeresspiegel insgesamt. Gleichzeitig wird das Meerwasser saurer und zusehends wärmer. Flotten torpedoförmiger Tauchroboter und mehrere Tausendschaften automatisierter Treibbojen bekunden das.

All diese Trends mögen auf den ersten Blick subtil erscheinen, und der Begriff "globale Erwärmung" maskiert eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Folgen. Man kann es sich als ein Plus an Energie in der erdumspannenden Wettermaschine vorstellen: Wärmere Meere können Wirbelstürme stärker machen. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, was heftigere Regengüsse begünstigt. Und wenn stärkere Druckunterschiede zu stärkerem Wind führen, dann laufen die Wellen der stürmischen See an den Küsten höher auf, weil dort ja das Wasser ohnehin inzwischen höher steht.

Von der globalen Erwärmung zu sprechen ist nicht falsch. Von einer globalen Eskalation zu sprechen wäre treffender.