Still ruht der Laacher See in der Eifler Vulkanlandschaft. Wer genau hinblickt, erkennt: Unter der Wasseroberfläche brodelt es gewaltig. Jüngst erst stellten Forscher anhand kleinerer Erdbeben fest, dass dort wieder Magma aufsteigt – jene glühende flüssige Masse aus dem Erdinnern, die beim Erkalten zu Gestein wird.

Das Naturgeschehen passt auch auf den inneren Zustand der Klostergemeinschaft in der hochmittelalterlichen Anlage. Die Touristenattraktion mit ihrem beschaulichen Garten und den gregorianischen Gesängen der Mönche bietet in Exerzitien und Seminaren Spiritualität und Heilung an. Doch heilsame Prozesse für das eigene Zusammenleben anzustoßen fiel den Benediktinern lange schwer.

Es brodelt unter den Brüdern! Das Beben begann, als im September 2014 der Abt Benedikt Müntnich, der seit 2002 das Kloster leitete, von den Mönchen nicht mehr wiedergewählt wurde.

Andreas Werner, Ordensbruder aus der münsterländischen Abtei Greve, wurde 2016 für drei Jahre zum Prior Administrator gewählt. Im Mai steht in Maria Laach nun eine Abtwahl an. Auf Werner könnten sich die Mönche einigen. Doch er winkt ab. Mit seinen 67 Jahren fühlt er sich für diese Aufgabe zu alt, um die notwendige spirituelle Neuausrichtung führend zu gestalten.

Ohne diese Erneuerung ist dieser Leitungsposten ein Tanz auf dem Vulkan. Den Grund der Krise hat Bruder Andreas Werner längst ausgemacht: Weil die Mitglieder in den Konventen immer weniger und älter würden, ruhe die gleiche Arbeitslast heutzutage auf immer weniger Schultern, so der Ordensmann im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Dadurch kommen Spannungen hinein, die es früher so nicht gab." Doch nicht allein der strukturellen Veränderung sind solche Spannungen geschuldet. Werner sagt: "In Maria Laach habe ich Vereinzelung erlebt. Es gibt viele starke Individuen, die in ihren Bereichen arbeiten. Es geht aber darum, aus den vielen starken Ichs ein starkes Wir wachsen zu lassen."

Die Gemeinschaft besteht aus 35 Mönchen, nicht alle wohnen im Kloster, manche wirken außerhalb als Sozialarbeiter, in der Pfarrseelsorge oder widmen sich Forschungszwecken. Mit Exzentrikern lässt sich dieser riesige Klosterkomplex nicht handeln, der aus zwölf mittelständischen Betrieben, 250 Angestellten und einer halben Million Besucher jährlich besteht. Mit Hilfe von außen und internen Gesprächen wurde viel Krisenmanagement betrieben. Ende 2017 kam auch der geschmähte Altabt Benedikt Müntnich wieder ins Kloster zurück. Wer neuer Oberer werden soll, darüber schweigt sich das Kloster noch aus. Bruder Andreas wünscht sich, dass die Öffentlichkeit über die Laacher Mönche bald so staunt wie die Heiden in der Apostelgeschichte über die Christen: "Seht, wie sie einander lieben!"

Haben Sie von einer ungewöhnlichen Idee in Ihrer Gemeinde gehört? Bitte schreiben Sie an redaktion@christundwelt.de.