Ja, was denn nun? Beim Blick auf die Volkswirtschaft fühlt man sich hin- und hergeworfen wie auf hoher See. Nie gab es mehr Jobs, doch das Wachstum geht zurück. Viele Exporteure verlieren ihren Optimismus, und die Industrieproduktion dreht zeitweise ins Minus. Nicht ohne Grund hat der Deutsche Aktienindex 2018 im Zeitlupencrash fast 20 Prozent verloren. Donald Trump gefährdet mit seinen Zöllen und Feindseligkeiten nicht nur die chinesische Konjunktur, sondern auch das deutsche Exportmodell. Und während Fachkräfte im Land gesucht sind wie selten, nagt die Digitalisierung an einfachen Fabrik- und Verwaltungsjobs.

Vieles deutet darauf hin, dass die Boomdekade der deutschen Wirtschaft zu Ende geht. Der Finanzminister hat deshalb schon zur biblischen Formel gegriffen, dass die fetten Jahre vorbei seien. Wenn der Wohlstand aber nicht mehr wie von selbst wächst, müssen wir ihn uns neu verdienen. Allen voran die Regierung, die zuletzt vor allem Geld an die Mittelschicht verteilte und das Wirtschaftspolitik nannte. Mehr Kindergeld, mehr Baukindergeld, höhere Renten – diese Wohltaten von heute sind aber die Lasten der Zukunft, und das Geld fehlt dann für ein besseres Schienennetz oder ein schnelleres Internet.

Es wird Zeit, sich wieder auf diejenigen zu konzentrieren, die Werte schaffen – Arbeitnehmer wie Unternehmen. Den Soli für alle zu streichen wäre ein solches Signal. Die Unternehmenssteuern vor allem für Firmen zu senken, die ihr Geld in Innovationen stecken, wäre ein weiteres. Diese Impulse setzt man besser früh als spät, um einem möglichen Abschwung entgegenzuwirken. Insgesamt sollte der Staat weniger transferieren und mehr investieren – in ein flexibles Bildungssystem etwa, das die Menschen auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet, oder in Forschung und Entwicklung.

Wie genau das geht, darüber kann gestritten werden. Zunächst einmal muss die Wirtschaft wieder in den Fokus rücken. Denn nur weil sich etwas Wirtschaftspolitik nennt, verdient es den Namen noch nicht. Die Zeiten werden härter – und mit ihnen die Entscheidungen, die zu fällen sind.