Eigentlich war die Sache mit der Limonade vergangene Woche ein Fall fürs Sommerloch. Weil aber grad Winter ist, sei der Fall hier noch einmal aufgearbeitet. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hatte der Firma Lemonaid nämlich mitgeteilt, dass die von ihr hergestellte Limonade gar keine Limonade sei, weil die Leitsätze für Erfrischungsgetränke bei Limonaden einen "Gesamtzuckergehalt von mindestens sieben Gewichtsprozent" vorsehen, die von Lemonaid aber bloß sechs Prozent Zucker enthalte. "Nicht süß genug, um Limo zu sein?", konterte Lemonaid öffentlich, verwies auf sein "natürliches Lebensmittel" und darauf, dass Zuckerreduktion von Ernährungsministerin Julia Klöckner doch politisch gewollt sei. Und alle schrieben es ab.

Der Behördenbrief war ein PR-Geschenk, für das sich der Geschäftsführer von Lemonaid persönlich und auf Knien bedanken sollte. So kann sich seine Firma (wegen eines schlappen Prozentpunkts weniger Zucker!) nämlich als Vorkämpfer gesunder Ernährung und zugleich als Opfer kleinkarierter Bürokraten ohne gesunden Menschenverstand inszenieren.

Weitgehend unbeachtet blieb in diesem Zusammenhang, dass die Leitsätze als Teil des Lebensmittelbuches gar nicht den Sinn haben, Limonadenhersteller zur Überzuckerung zu zwingen. Ziel ist eine klare Begrifflichkeit, wie zum Beispiel die, dass Erdbeereis Erdbeeren enthalten sollte (mindestens 20 Prozent!), weil ansonsten ein Chemiekonzern ja die Idee haben könnte, aus Aromastoffen, Sägemehl und roter Dispersionsfarbe etwas herzustellen, das er als Erdbeereis verkauft, was dann aber auch wieder nicht recht ist und Verbraucherschützer empört, weil die Behörden nicht dagegen vorgehen. Natürlich muss man Leitsätze von Zeit zu Zeit anpassen, und das wird ja auch getan. Davon abgesehen sind sie ausdrücklich "keine Rechtsnormen und damit nicht rechtsverbindlich". Weshalb man die Sache, siehe oben, am besten schnell wieder vergisst.