Die Wut der Flughafenbetreiber hätte kaum größer sein können. Bereits am Montag schimpfte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, über einen "unverantwortlichen" und "mehr als rücksichtslosen" von ver.di organisierten Streik des Sicherheitspersonals.

Über 200.000 Menschen, so schätzen die Flughafenbetreiber, blieben Dienstag am Boden, weil weder Taschen noch Koffer kontrolliert wurden. Erst in der kommenden Woche werden sich Gewerkschaft und Arbeitgeber wieder zu Verhandlungen treffen. Doch eines steht schon jetzt fest: Das Chaos in Frankfurt, München oder Hamburg mag in dieser Woche zwar besonders groß sein, aber der Stau am Flughafen ist längst keine Ausnahme mehr. Auch wenn der Tarifstreit schließlich beendet sein wird, werden die Passagiere in Deutschland weiter Schlange stehen. Sie kennen das schon.

Der Sicherheitsbereich ist der Schwachpunkt jedes Flughafens – auch ohne Streik

Kurz vor Weihnachten traf es wieder einmal Frankfurt: Bis zu 90 Minuten mussten die Fluggäste darauf warten, dass ihr Handgepäck kontrolliert wurde, Tausende verpassten ihren Flug, ihre Koffer wurden aus startbereiten Flugzeugen wieder ausgeladen. Denn auch an Tagen ohne Streik der 23.000 in Deutschland Beschäftigten ist der Sicherheitsbereich der Schwachpunkt jedes Flughafens.

Schuld an den Verzögerungen sind nicht die Mitarbeiter. Es liegt vor allem an der besonderen Organisation der Kontrollen in Deutschland. Dass es anders gehen könnte, zeigen interne Untersuchungen von Luftfahrtindustrie und Bundesregierung, die der ZEIT vorliegen und "vielfältige Verbesserungsmöglichkeiten" in Aussicht stellen.

Zwischen Bund und Privatwirtschaft

Anders als in Amsterdam, Brüssel, Madrid oder London tragen in Deutschland nicht die jeweiligen Flughafenbetreiber die Verantwortung für Luftsicherheitskontrollen, sondern die Bundespolizei in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium des Innern (BMI). Die Behörden engagieren Dienstleister, die dann vor Ort die Kontrollen übernehmen. Die Röntgenapparate stellt bis 2020 vor allem das Unternehmen Smiths Detection. Dann soll der nächste Vertrag ausgeschrieben werden. In dieser Organisation zwischen Bund und Privatwirtschaft sehen Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber den Hauptgrund für die träge Kontrolle.

Die Kontrollen sind ein sensibles Thema. Spätestens seit dem 11. September 2001 hat jeder Passagier Verständnis für scharfe Überprüfungen an den Flughäfen. Die Flughäfen beteuern, die Passagiere nicht weniger intensiv kontrollieren zu wollen. Doch könnten, so sagen die Manager, die Abläufe viel effizienter sein.

"Nadelöhr bei der Abwicklung des Luftverkehrs"

Der Druck rührt auch von steigenden Passagierzahlen. So berichtet der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einem Positionspapier, dass diese seit dem Jahr 2001 um 67 Prozent zugelegt hätten und sich zusammen mit den gestiegenen Sicherheitsauflagen und strengeren Luftsicherheitskontrollen "immer mehr zu einem Nadelöhr bei der Abwicklung des Luftverkehrs" entwickelt hätten.