© Petra Bahr

"Was hörst du, wenn es still ist?" Vor zartem Lila steht die Frage morgens um sechs auf meinem Display. Ich hatte noch keinen Kaffee. Für ein paar Minuten höre nur den Müllwagen vor der Tür und mein Herz, wie es pocht, noch halb im Schlaf. Die Frage kommt mit Akten, Tee und Lippenstift in die schwarze Tasche, nach ganz unten. Im Kopf schiebt sie sich im Laufe des Tages immer wieder nach vorn. "Hallo, ich bin noch da. Was hörst du, wenn es still ist?"

Eine Frage, die ich mir nicht selbst gestellt hätte, nicht heute, an einem Freitag. So fragt die App meiner Landeskirche, dreimal am Tag nötigt sie mir freundlich, aber bestimmt eine Zeit für Freiräume auf. Das ganze Jahr steht unter einem Motto, das manche für ein Feierabendprogramm halten oder für eine Idee, die nur in den Alltag von Sommerurlauberinnen passt. Kann man mit einer App auf dem mobilen Telefon Freiräume schaffen, wo es doch gerade schick ist, das Smartphone zum Lieblingsinstrument des Beelzebub zu erklären, dieses Teufelswerkzeug, das durcheinanderbringt, ablenkt, Zeit frisst und Aufmerksamkeit, böse Worte und schlimme Theorien?

Nach ein paar Tagen bin ich überrascht, wie der wiederkehrende Rhythmus, mit dem mein Telefon sich meldet, den Tag strukturiert. Eine Frage, ein Hinweis, freundlich, kurz, sachlich. Keine missglückten Möchtegern-Gedichte und kein moralischer Zeigefinger. Nur ein kleiner Wink. Dank an die Dinge hinter den Dingen, der Horizont der Welt reicht weiter als bis zur Schreibtischkante. Mancher Hinweis berührt mich nicht. Andere Sätze sickern wie Regen in eine viel zu trockene Herzensecke. Wie lang doch eine Minute sein kann, wenn man mitten im Tun nichts tut. Zwischen den Unterbrechungen schweigt die App und legt sich in den Schlafmodus, als wolle sie ein Vorbild sein. Will man etwas von ihr, so flüstert sie: Melde mich später.

Kein Coaching, keine Belehrung, keine Ausführungsbestimmung. Das Smartphone als Lebensintensivierer, als Zweifelmaschine, eine Art Prothese des geistlichen Lebens mitten in turbulenten, anstrengenden oder auch geschwind-fröhlichen Tagen, was für eine heilsame Idee! Die App gibt es für alle im Appstore: www.xrcs.de.