Der Absturz von Appledie Aktie verlor 30 Prozent – wird den Tech-Giganten nicht umbringen, hat der doch allein im letzten Quartal neun Milliarden Dollar eingenommen. Apple-Fans verweisen auf Chinas wegbrechende Konjunktur, Trumps Handelskriege oder auf ewig steigende iPhone-Preise. Wozu jedes Jahr ein neues Modell kaufen, wenn das 6S (2015) so gut funktioniert wie das XS, das 1500 Euro kostet?

Diese Faktoren spielen alle eine Rolle, aber wagen wir den Sprung vom Klein-Klein zum Mega-Makro und betrachten die großen Zyklen der Weltökonomie. VWL-Studenten erinnern sich an den Kondratjew-Zyklus, benannt nach Nikolai K., der vor fast 100 Jahren seine Theorie Die langen Wellen der Konjunktur veröffentlichte. Die These: Am Anfang langer Wellen steht eine bahnbrechende Innovation (wie das iPhone), die massenhaft Investitionen und Nachahmer anlockt und jenseits der Konjunkturschwankungen einen langen Aufschwung erzeugt. Ist die Technik assimiliert, sinken die Einsätze; es folgt der lange Abschwung – bis zur nächsten Welle 40 bis 60 Jahre später.

Die Dampfmaschine löste Muskelkraft ab und die erste Welle aus. Die Eisenbahn, die jahrzehntelang die Kohle- und Stahlindustrie beflügelte, die zweite. Nummer drei: Elektrotechnik und Großchemie. Dann die Massenmotorisierung, die in Amerika nach dem Ersten Weltkrieg einsetzte. Der Siegeszug des Transistors und Computers begann nach dem Zweiten. Seit 1990: Informations- und Kommunikationstechnologie. Das iPhone, ein ganz kleines Ding, hat seine eigene Welle freigesetzt. Angesichts des rasanten Tech-Wandels mag diese viel kürzer sein als der Kondratjew-Zyklus.

Am Anfang, 2007, war das iPhone bloß ein cooles Gadget, das Form und Funktion brillant vereinte und eine weltumspannende Revolution auslöste. Das iPhone (und Google und Samsung) machte Uber und Lyft, die Fahrtenvermittler, erst möglich. Dito Airbnb, Netflix, Tinder, Spotify, smarte Küchengeräte, Digitalzeitungen, GPS in jeder Hand, Car2Go, Internet-Shopping, Facebook und Twitter, obwohl man die auch am Desktop nutzen kann, nur viel umständlicher. Hinzu kommen Abertausende von Apps, die sich zu einer eigenen Industrie verdichtet haben.

Kondratjew und Joseph Schumpeter, ebenfalls ein Lange-Wellen-Theoretiker, würden dozieren: Die Technik ist ausgereift, der Markt saturiert. Die Investitionen sinken, ein Paradigmenwechsel muss her. In Umrissen zeigt sich dieser schon im Wohnzimmer, wo Amazons Alexa und Hey oder Ok Google das geschwätzige Handy mit seinen endlosen Benachrichtigungen ausmanövrieren. Alexa redet mit mir nur, wenn ich es will. Außerdem ist die Sprachsteuerung bequemer als die Tastatur. Die Kids brauchen das Handy nicht mehr, um an ihrer Spielkonsole mit ihren Kumpels plaudern können.

Solche Gegner kann Apple nicht mit Preisnachlässen abwehren. Das goldene Zeitalter des Smartphones neigt sich dem Ende zu. Was heißt überhaupt "smart, wenn alles smart ist?", fragt ein US-Analyst – die Uhr, die Kleidung, der Kühlschrank, das Auto, der Fernseher ... 14 Milliarden solcher vernetzten Geräte gibt es schon. Dahinter lauern Robotik und virtuelle Realität, global und total. Wer die nächste lange Welle aufspüren will, muss checken, wohin das Geld fließt – wie einst bei der Eisenbahn.