"Die Idee ist überzeugend, weil radikal", schrieb Matthias Daum vergangene Woche in seinem Kommentar zur Zersiedelungsinitative. Das Wort "radikal" kommt aus dem Lateinischen und meint "bei den Wurzeln packend". Die Zersiedelungsinitiative hat genau das vor: Sie will nachhaltige Quartiere fördern und gleichzeitig ein weiteres Ausdehnen der Bauzonen verhindern. Damit sollen in der Schweiz auch für kommende Generationen genügend Grünflächen und Naherholungsgebiete vorhanden sein.

Eine breite Allianz aus Parteien und Verbänden will verhindern, dass weiterhin verschwenderisch mit dem Boden umgegangen wird. Momentan sind in der Schweiz 400 Quadratkilometer unverbautes Land eingezont, diese Fläche entspricht anderthalbmal der Fläche des Kantons Schaffhausen. Wenn der heutige Bauboom in dieser Form weitergeht, fehlen in 30 Jahren die Grünflächen für die produzierende Landwirtschaft, und auch Naherholungsgebiete könnten zu einer Rarität werden.

Gegen die Initiative kursieren viele Scheinargumente. So befürchten die Bauwirtschaft und der Gewerbeverband, dass mit der Initiative die Umsetzung des aktuellen Raumplanungsgesetzes (RPG) torpediert würde. Fakt ist, dass die Kantone auch nach Annahme der Initiative ihre überdimensionierten Bauzonen reduzieren müssen; auch der viel zitierte Kanton Wallis. Bis zum Mai 2019 haben sie Zeit, ihre Richtpläne dem Bund vorzulegen.

Die Zersiedelung führt zu Mehrverkehr und gefährdet die Biodiversität

Die neusten Zahlen bestätigen: Auch mit dem RPG wird die Zersiedelung nicht gestoppt, sondern im besten Fall verlangsamt. Denn die bestehenden Bauzonen können nach 15 Jahren wieder ausgedehnt werden. Man tut also weiterhin so, als wäre der Schweizer Boden eine unbegrenzte Ressource, und vergisst dabei, dass die Schweiz zu 70 Prozent aus Berg-, See- und Waldflächen besteht. Das Volksbegehren der Jungen Grünen ist die ideale Ergänzung zum bestehenden Gesetz, das gravierende Lücken aufweist.

Die Zersiedelung verbetoniert aber nicht nur den Boden, sondern führt zu zahlreichen Problemen: Sie führt zu massivem Mehrverkehr und zu einer Abnahme der Biodiversität. Gleichzeitig belastet sie auch Gemeinden und Kantone mit hohen Infrastrukturkosten.

Bereits heute fließen jährlich 20 Milliarden Franken Steuergelder in den Erhalt der Infrastruktur wie beispielsweise Wasser- und Stromleitungen. Diese Kosten werden mit einer zunehmenden Zersiedelung weiter steigen. Auch für die Schweizer Landwirtschaft ist es unabdinglich, dass die verbleibenden Grünflächen geschützt werden. Lokale Nahrungsmittel können nur produziert werden, wenn die entsprechenden Grünflächen vorhanden sind.

Wir lassen uns die Zukunft nicht verbauen!

Luzian Franzini ist Co-Präsident der Jungen Grünen Schweiz.