Das Ende des deutschen Kunstmarktes schien nahe. Vor drei Jahren übten sich einige Auktionatoren und Sammler in Alarmismus: Die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters betriebene Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes sei die "Guillotine des Kunsthandels", sagte Bernd Schultz, Mitgründer des Auktionshauses Grisebach. Der Sammler Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlages, nannte den Gesetzesentwurf 2015 "DDR in jeder Hinsicht". Andere fabulierten von massenhaften Enteignungen, die kurz bevorstünden.

Das Gesetz soll dafür sorgen, dass für die Allgemeinheit besonders bedeutsames, identitätsstiftendes Kulturgut das Land nicht verlassen darf. Nun hat die Bundesbeauftragte für Medien und Kultur einen Bericht vorgelegt, in dem sie für Bundestag und Bundesrat den durch die im August 2016 verabschiedete Regelung verursachten Verwaltungsaufwand der ersten zwei Jahre darlegt.

Die Fakten sind eindeutig: Die Panikmache der Gesetzesgegner war grotesk überzogen. So wurden in den ersten zwei Jahren lediglich fünf Objekte auf die Liste des national wertvollen und damit ausfuhrbeschränkten Kulturguts neu eingetragen. Die meisten davon, so Grütters, auf Wunsch der Eigentümer selbst. Mit einer Eintragung in das Verzeichnis sind Steuerbegünstigungen verbunden.

Händler und Sammler hatten zudem von einer Flut von über 100.000 Ausfuhranträgen jährlich gewarnt, die zu Mehrkosten von Dutzenden Millionen Euro allein beim Staat führen würden. Der Bericht meldet nun 950 Einzelausfuhrgenehmigungen pro Jahr für den EU-Binnenmarkt und 1200 für Drittstaaten. Statt Dutzender Millionen kostete das Gesetz die Verwaltungen in den ersten beiden Jahren jeweils eine niedrige sechsstellige Euro-Summe.

Die Kunsthändler und Versteigerer beklagen weiterhin ihren erhöhten Verwaltungsaufwand. Teurer kam ihnen womöglich aber die Kampagne einiger ihrer Kollegen gegen das Gesetz zu stehen. Sie schürte Angst bei potenziellen Käufern und Verkäufern und führte vor dem Inkrafttreten zu einer näher nicht quantifizierbaren Ausfuhr von Werken aus dem hiesigen Markt. Doch selbst diese massive Verunsicherung sorgte nicht dafür, dass die Umsätze der großen deutschen Auktionshäuser – die anderen Marktteilnehmer veröffentlichen meist keine Zahlen – in den vergangenen Jahren eklatant einbrachen. Ohne die unbegründet verbreitete Angst hätten sie, so darf man mutmaßen, sehr viel mehr Gewinn machen können. Nun kann in dieser Arena hoffentlich Ruhe einkehren.