Matteo Salvini und Roberto Saviano sind einander seit langer Zeit in tiefer Abneigung verbunden. Der Schriftsteller Saviano attackiert den Innenminister Salvini immer wieder scharf und unterstellt ihm indirekt, ein Mann der Mafia zu sein. Jetzt hat der Streit der beiden bei einem Auftritt des Innenministers in Kampanien eine für Saviano bedrohliche Wendung genommen.

Salvini war zu Besuch in die Kleinstadt Afragola gekommen, die als Hochburg der Camorra gilt, einer Ausprägung der italienischen Mafia. Wie ein Popstar wurde der Innenminister willkommen geheißen, der wie immer bei solchen Auftritten eine Uniformjacke der Polizei trug. Aus der Menge heraus rief ein junger Mann laut: "Eliminiere Saviano!" Salvini schaute in die Richtung des Mannes, hob die Hand und sagte: "Nein, lang lebe Saviano!"

"Eliminiere!" – das ist in Mafia-Kreisen ein codierter Begriff, die Aufforderung, einen Gegner zu liquidieren. Der junge Mann, der später als örtlicher Funktionär von Salvinis Partei Lega identifiziert wurde, setzte nach: "Nimm ihm die Leibwächter weg! Die bezahlen wir ihm!" Salvini lächelte nur. Er hatte im Wahlkampf mehrmals damit gedroht, dem streitbaren Literaten die Leibwache zu entziehen. Seit der Veröffentlichung von Gomorrha, einem Weltbestseller über das organisierte Verbrechen, steht Saviano unter Polizeischutz.

Auf den Vorgang angesprochen, sagte Saviano der ZEIT: "Warum fordert man einen Innenminister auf, mich zu beseitigen? Es ist das Ergebnis seiner vorangegangenen Propaganda. Salvini weist den Mann nicht zurecht, er fordert niemanden auf, die Personalien dieses Mannes festzustellen. Er tut so, als habe die Sache nichts mit ihm zu tun. Aber meine Sicherheit hängt von Salvini ab."