Kaum etwas drängt sich mehr auf, als den rasenden Verkehrssektor für festgefahren zu halten. Der hyperflexible Mensch ist zur Mobilität verdammt, reißt aber mit seinem Pkw leider alle Latten, die das Einsparen von CO₂-Emissionen verbindlich festlegen. Aus diesem Grund würde der zuständige Bundesminister Scheuer erklärtermaßen gern "die Bürger von den Chancen der Mobilität der Zukunft begeistern". Dabei sind ihm aber, wie er sagt, die "Gedankenspiele in einer Unterarbeitsgruppe einer ressortübergreifenden Kommission mit externen Experten" in die Quere gefahren: Sie schlagen ein Tempolimit auf Autobahnen vor. "Schockpapier", lauter "irre Ideen", befand die Bild-Zeitung, und der Minister fügte hinzu, die Vorschläge seien "gegen jeden Menschenverstand", als stehe der besser still.

Aus Japan wurden gleichzeitig, vernünftigerweise auf die Schiene verlegt, andere mobilitätspraktische Gedankenspiele bekannt, die immerhin in die Testphase gehen. Sie nehmen den Weg durch den Magen: Weil die Tozai-Linie der U-Bahn in Tokio zur morgendlichen Stoßzeit unzumutbar überfüllt ist, sollen die Pendler als Anreiz, um noch früher zur Arbeit zu fahren, Gutscheine für die Frittierspeise Tempura erhalten; mit möglichem Zuschlag, denn fände sich eine Zahl von 3000 freiwilligen Frühpendlern, gäbe es gratis noch Soba-Nudeln dazu. Vielleicht ist auch dieser Vorschlag, wenn schon nicht irre, so doch nicht fertig durchdacht, da sich die Gutscheine nur höchst kompliziert einlösen lassen. Man hoffe jedoch, sagt ein Sprecher der U-Bahn, dass sich so "die Lage im Berufsverkehr entspannt".

Während man also für Tokio noch hofft, kommt aus Berlin schon die Nachricht, dass Entspannung und Menschenverstand, miteinander versöhnt, doch am schönsten begeistern können: Dort hat man in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität ein Fahrradergometer aufgestellt. Das bedeutet alles Gute in einem, zugleich: Es erzeugt Strom, während man lesend radelt, auf der Stelle, natürlich. Mobil dableiben, bewegt klüger werden, selbsttätig das Handy aufladen: Die Bibliothekarin Janet Wagner hat sich das ausgedacht. Sie sei irre gepriesen.