New York: Die Sanierer kommen

Von Heike Buchter

Wohnungsnot herrschte in New York schon seit der großen Einwanderungswelle aus Europa, als sich die Menschen in den Slums der Lower East Side drängten. Heute liegt die Metropole mit ihren mehr als acht Millionen Einwohnern auf Platz zwei der Mietpreis-Rangliste der USA. Nur in San Francisco, wo sich Technologiekonzerne wie Facebook und Google angesiedelt haben, sind die Mieten noch höher.

Anders jedoch als an der Westküste waren die Mieter im Kampf um bezahlbare Wohnungen in New York erfolgreicher. Nirgendwo in den USA sind sie besser geschützt. Bereits 1969 führte die Stadt eine Mietpreisbremse für bestimmte Wohnungen ein. Bei rent-stabilized apartments darf der Eigentümer die Miete jährlich immer nur um einen von der Stadt vorgegebenen Prozentsatz erhöhen. Bürgermeister Bill de Blasio, der nicht zuletzt mit dem Versprechen auf bezahlbaren Wohnraum gewählt wurde, fror die Mieten für diese Wohnungen sogar zwei Jahre lang ein.

Etwa 990.000 Wohnungen, in denen 2,6 Millionen New Yorker leben, sind durch die Mietpreiskontrolle gebunden. Das entspricht etwa der Hälfte der Mietwohnungen der Stadt. Drei Viertel der Wohnungen befinden sich in Gebäuden, die vor 1947 gebaut wurden. Die geschützten Mietverträge können sogar vererbt werden. Für die Eigentümer der Wohnungen bedeutet dieser Schutz allerdings entgangenes Einkommen. Während die durchschnittliche Marktmiete für eine Zweizimmerwohnung in Manhattan umgerechnet rund 3700 Euro im Monat beträgt, ist die durchschnittliche rent-stabilized-Miete nur halb so hoch.

Das schafft Anreize, der Mietpreisbindung zu entgehen. Dafür hat der Vermieter zwei Möglichkeiten. Übersteigt die Miete durch legale Erhöhungen 2700 Dollar im Monat, entfällt der Schutz. Er entfällt auch, wenn ein Mieter freiwillig auszieht. Um das zu erreichen, gehen Eigentümer teils sehr rabiat vor. Ob endlose Sanierungen, die juristische Verfolgung kleinster Unregelmäßigkeiten, die Installation von Kameras oder die Einquartierung Obdachloser – jeder New Yorker kennt solche Horrorgeschichten. Oft stecken Investmentfirmen dahinter, die ein Gebäude übernommen haben und dessen Wert vor einem Weiterverkauf drastisch erhöhen wollen.

Oft kommen Investoren mit solchen Vorhaben durch: Seit 2007 sind 172.000 Wohnungen in New York aus der Mietpreisbindung gefallen.

London: Die zurückgelassene Generation

Von John F. Jungclaussen

Zur Jahrhundertwende lebten noch etwa drei Viertel aller Briten im eigenen Heim, heute sind es keine 60 Prozent mehr. Deutlich mehr Menschen als früher zahlen Miete.

Für die Politik sind diese Statistiken ein gewaltiges Problem. Denn Wohnungseigentümer zu werden ist in Großbritannien das Maß aller Dinge, vor allem für Berufseinsteiger jedoch unerreichbar. Die Bevölkerung auf der Insel ist rapide gewachsen, das Angebot auf dem Immobilienmarkt dagegen nicht. Nach offiziellen Schätzungen fehlen an die vier Millionen Wohnungen. Selbst Optimisten im Innenministerium gehen davon aus, dass der Bedarf nicht vor 2030 gedeckt sein wird.

London: 2410 US-Dollar (Miete pro Monat für eine möblierte Wohnung von etwa 85 Quadratmetern in "mittlerer" Lage)* © Miguel Sobreira/plainpicture

So ist die Altersgruppe der 26- bis 34-Jährigen heute als die "Generation Mieter" bekannt, über die selbst Premierministerin Theresa May sagt: "Die Gesellschaft hat diese jungen Menschen zurückgelassen." Sie bezahlen durchschnittlich 949 Euro Kaltmiete im Monat, in London beträgt der Durchschnitt gar 1525 Euro. Für die Mehrheit ist das etwa die Hälfte ihres Monatseinkommens.

Das Recht ist im Zweifel aufseiten des Vermieters. Mieterhöhungen von zehn Prozent im Jahr sind die Norm – wenn der Vermieter mehr haben will, muss er dies lediglich sechzig Tage im Voraus ankündigen. Die Konsequenz: Zur Miete wohnen wird als Übergangslösung angesehen. Entsprechend wenig investieren Vermieter wie Mieter in den Erhalt oder die Verbesserung der Immobilien.

Abhilfe ist nicht in Sicht. Ab und an macht die Regierung gut klingende Versprechen, das Mietrecht im Sinne der Mieter zu ändern, aber passiert ist nichts. Einfacher ist es, junge Briten durch Steuererleichterungen beim Wohnungskauf zu unterstützen. Auch da stoßen sie freilich auf dasselbe Problem: Das Angebot liegt weit unter der Nachfrage.