DIE ZEIT: Mr. Carpenter, die Lieder, die Sie vor einigen Jahrzehnten mit Ihrer Schwester Karen aufgenommen haben, hat das Royal Philharmonic Orchestra nun für die Platte Carpenters with the Royal Philharmonic Orchestra neu eingespielt. Eigentlich ist dieses Orchester ja dafür bekannt, Aufnahmen von toten Künstlern zu verkitschen wie Elvis, Roy Orbison oder Aretha Franklin ...

Richard Carpenter: ... aber ich lebe ja zum Glück noch. Als ich das Angebot bekam, unsere Musik mit dem Orchester zu überarbeiten, mochte ich die Idee sofort. Damit das Orchester nicht übertreibt, habe ich die Songs ausgewählt, die meiner Ansicht nach am besten passten. Ich legte die Abfolge fest und schrieb ein neues Intro, sodass alle Stücke zusammen zu einer Art Suite geworden sind. Es kostete mich einige Zeit, bis ich zufrieden war.

ZEIT: Im Booklet schreiben Sie, dass während Ihrer Zusammenarbeit mit dem Orchester auch Fehler der Originalaufnahmen korrigiert wurden. Was für Fehler?

Carpenter: Kleinigkeiten, die kein Mensch außer mir da herausgehört hat. Mal hörte man zum Beispiel, dass Karen beim Singen zu nah am Mikrofon war, solche Sachen. Die Technik war damals, in den frühen Siebzigern, als wir die Originale eingespielt haben, noch nicht so weit, wie ich es gerne gehabt hätte.

ZEIT: Perfektionist zu sein macht das Leben ja oft nicht gerade leichter. Sind Sie einer?

Carpenter: Leichter macht es das Leben wirklich nicht. Aber Karen war perfektionistisch und ich eben auch. Leider. Wir konnten das nicht ändern. Und ich bin eben immer noch so, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Ich habe eben eine klare Vorstellung davon, wie die Dinge zu sein haben, das betrifft irgendwie alles. Das Leben und meine Arbeit. Bei mir muss alles seine Ordnung haben. Keine leichte Angelegenheit, nennen wir es besser einen Fluch.

ZEIT: Haben Sie das Orchester in den Abbey-Road-Studios mit Ihren Anweisungen gequält?

Carpenter: Gequält? Ich wusste eben, was ich wollte! Ich habe die Arrangements für so gut wie alle Carpenters-Songs geschrieben und habe im Studio auch meistens das Orchester dirigiert, kenne also unsere Musik bis ins kleinste Detail. Ich bin Songwriter, Arrangeur und Dirigent. Das waren Profis, die absolut jeden meiner Wünsche erfüllen konnten. Insbesondere die Ouvertüre dauerte ein Weilchen. Ich wollte auch nicht die ganzen Streicher, Bläser und so weiter einzeln eingespielt haben, sondern das Orchester komplett. Bis das saß, dauerte es eben.

ZEIT: Mögen Sie eigentlich den Begriff "Easy Listening"?

Carpenter: Nein! Dass etwas leicht ins Ohr geht, bedeutet noch lange nicht, dass es easy ist. Oft steckt dahinter sehr komplexe Musik.

ZEIT: Als Teenager haben Sie in Kirchen und bei Hochzeiten Klassikmelodien am Klavier gespielt und ab und zu Beatles-Songs ins Programm gemogelt. Gab das mal Ärger?

Carpenter: Nein, nie, denn die Beatles haben nun mal diese wunderbaren Melodien, egal ob schnell oder langsam: Melodien! Die fielen tatsächlich nie unangenehm auf. Es ist allerdings auch ziemlich einfach, Beatles-Songs wie Klassik zu spielen. Dass diese Melodien aus dem Pop kommen, ahnte kaum einer. Ticket to Ride zum Beispiel hat einfach eine wunderbare Melodie. Da habe ich nur das Tempo rausgenommen, und schon passte es wunderbar in unsere Kirche.

ZEIT: Sie haben den Carpenters-Sound, mit dem Sie in den Siebzigern weltweit erfolgreich waren, in den Sechzigern entwickelt. Was machte diesen Sound aus?

Carpenter: Das Demo, das wir Herb Alpert, dem Chef der Plattenfirma A&M, zukommen ließen, ist zwar in einer Garage entstanden. Es hatte aber eigentlich alles, was ich wollte: Overdubs beim Gesang, dazu Streicher. Es half, dass Karen und ich Geschwister waren, denn unsere Stimmen verschmolzen perfekt. So entstand ein Sound, dominiert von harmonischem Gesang, der einzigartig war. Viele Menschen haben diese Art des Gesangs stets mit den Carpenters verbunden.

ZEIT: Sie wurden dann mit mehr als hundert Millionen verkauften Platten zu einer der erfolgreichsten Bands der Siebzigerjahre. Waren Sie verblüfft?