Ob sich ihr Magen zusammengekrampft hat, als sie die eiserne Gangway des 176 Meter langen Dampfschiffs mit der Hamburger Flagge am Heck hochlief, ein Kind auf dem Arm, eines im kugelrunden Bauch? Ob ihr Ehemann ihr verbot, ein letztes Mal zurückzuschauen, auf die Häuser dieses Landes, das sie nicht mehr wollte? Wir können es nicht wissen. Aber wir können uns vorstellen, wie enttäuscht und empört Elisabeth und Friedrich alias Frederick Trump gewesen sein müssen, als sie das Hapag-Schiff Pennsylvania betraten. Des Landes verwiesen wie Verbrecher, obwohl vor Kurzem erst in den besten Absichten aus den USA zurückgekommen.

"Es war einfach Pech", sagt Roland Paul. "Historisches Pech – eine neue Dienstanweisung kam ihnen in die Quere." Der Historiker Paul arbeitete 38 Jahre am Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde, wo er die dortige Auswandererkartei betreute. Er stieg tief in die Pfälzer Archive ein und blätterte sich durch verstaubte Akten, um die Geschichte von Donald Trumps Großeltern zu rekonstruieren, in der im Jahr 1905 auch Hamburg eine Rolle spielte. Als Ort der Demütigung.

Warum sich ausgerechnet ein deutschstämmiger US-Präsident so auf den deutschen Partner eingeschossen hat? US-Kommentatoren wie die Journalistin Susan Glasser finden Trumps Abneigung gegen Deutschland "obsessiv". Vielleicht liegt in der Familiengeschichte ein Ansatz verborgen. Trumps Großvater Frederick war mit einer demütigenden Begründung und unter Androhung der Ausweisung von den Behörden aus der alten Heimat Kallstadt vertrieben worden. Der entsetzten Familie blieben nur wenige Tage, um ihre Sachen zu packen.

Entsetzt war damals auch der Bürgermeister von Kallstadt, er wollte unbedingt, dass Trump bleibt. Am 8. August 1904 hatte sich der zuvor schon einmal nach Amerika Ausgewanderte wieder offiziell in dem kleinen Pfälzer Städtchen gemeldet. Mit dabei seine Frau, die an Heimweh litt, seine drei Monate alte Tochter und ein stattliches Vermögen von 80.000 Mark. Die Wiedereinbürgerung, die er beantragte, unterstützte der Bürgermeister ausdrücklich. Trump machte Eindruck: "Er meidet Wirtshäuser und zeigt ein zuvorkommendes Benehmen", steht in einer Polizeinotiz, die Roland Paul gefunden hat. Am 6. November 1904 beschloss der Gemeinderat, dass man Trump "das Heimatrecht in hiesiger Gemeinde unentgeltlich" verleihen wolle.

Friedrich Trump war 1869 als viertes von sechs Kindern in Kallstadt geboren worden, als Sohn eines Winzers. Sein Vater starb, als Friedrich acht Jahre alt war. Von da an wurde das Leben schwierig. Die Familie hatte Schulden. Der große Bruder, gerade erst 14, musste der Mutter beim Weinbau helfen. Friedrich war wohl so etwas wie ihr Lieblingskind. Obwohl sie jede Hand hätte brauchen können, entschied sie, dass er für die harte Arbeit zu schwach sei. Er lernte "Bader" – Friseur.

Das war einer der Gründe, warum er bald in die Neue Welt ging. Haare zu pomadieren und Bärte zu zwirbeln war in einer Kleinstadt ohne feine Gesellschaft eine brotlose Kunst. Kaum hatte er die Lehre abgeschlossen, merkte er, dass er von diesem Handwerk nicht würde leben können.

Donald Trump ist seit 2017 Präsident der USA. © AFP

Er war 16, als er in Bremen ein Schiff Richtung New York bestieg. Aus dieser Zeit stammte die Notiz, die ihm später alles vermasseln sollte. "Nach Amerika ohne Erlaubnis" steht in hoch aufragenden Lettern hinter Friedrichs Namen in einer Liste der Wehrpflichtigen, die das Landcommissariat Neustadt führte. "Offenbar hatten sie ihn einziehen wollen, und dabei wurde klar, dass er schon weg war", sagt Roland Paul. "Wegen der Wehrpflicht war es für junge Männer damals verboten, einfach so auszuwandern." Trump verhielt sich gesetzeswidrig, aber er war kein Einzelfall. Paul: "Wenn die Ausreise überhaupt gestattet wurde, musste man sich davon teuer freikaufen. Zehntausende lösten dieses Problem genau wie er – sie reisten ohne offizielle Papiere."

Der junge Trump frisierte erst Haare im reichen Teil von New York, dann zog er weiter. Er tat, worüber Karl May im fernen Deutschland gerade schrieb: den Wilden Westen erobern. 1891 eröffnete er ein Restaurant in Seattle. 1892 änderte er seinen Namen in Frederick, wurde amerikanischer Staatsbürger und kaufte ein Hotel und ein Bordell in der Nähe der Gold- und Silberminen. Der illegal ausgewanderte Friseur wurde ein wohlhabender Mann.