Dreckige Luft, Plastik im Meer und Berge von Müll – das sind Umweltprobleme, über die gerade viel zu lesen ist. Aber was ist mit dem Boden unter unseren Füßen? Wie geht es den Millionen Organismen, die in der Erde leben? Der Zustand der Böden ist bedeutend für die Zukunft unserer Landwirtschaft und der Natur. DIE ZEIT hat zusammengefasst, wie es um sie steht:

Was wir wissen

Rund ein Drittel des Weidelandes und ein Viertel der Acker- und Waldböden sind bereits stark beeinträchtigt worden. Jedes Jahr gehen weltweit 10 Millionen Hektar Äcker verloren – die Fläche von 15 Millionen Fußballfeldern. Sie verwandeln sich in Ödland, das für die Erzeugung von Lebensmitteln kaum mehr taugt. Böden werden zu Wüsten, oder sie werden zubetoniert mit Straßen, Parkplätzen und Gebäuden. Allein in Deutschland werden täglich rund 60 Hektar Forst- und Landwirtschaftsareal zu Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Dieser Schwund, warnt Maria Flachsbarth, Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, erschwere eine der größten Aufgaben der Menschheit: die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

"Pedosphäre" nennen die Experten jene Haut der Erdkruste: die Sphäre zu unseren Füßen. Sie ist der Urgrund allen Lebens, überdies eine Schaltzentrale des irdischen Wasserhaushalts, und neuerdings gilt sie als zentral im Kampf gegen den Klimawandel. Die Böden der Erde bringen alles zusammen. Sie verbinden Gestein und Atmosphäre, Luft und Wasser, Raum und Zeit, Leben und Tod.

Die Grundsubstanz jedes Bodens ist mineralisch. Gestein verwittert und zerfällt in Bruchstücke; deren Partikel vermischen sich mit neu gebildeten Mineralen. Je nach Körnergröße entwickeln sich verschiedene Bodenarten: Im Ton messen die einzelnen Körner höchstens 0,002 Millimeter; größer sind sie im Schluff; und Sandkörner haben einen Durchmesser von bis zu zwei Millimetern. Hinzu kommt der Humus, bestehend aus all den toten organischen Substanzen, die der Boden von abgestorbenen Pflanzen und Tieren erbt. Erst durch Humus kann Boden fruchtbar werden.

Abermilliarden Überlebenskünstler arbeiten im Innern der irdischen Haut permanent daran, alles Tote ins Leben zurückzuführen. Die Wiederauferstehung ist das Werk rastloser Lebewesen: Mikroben und Pilze, Termiten, Spinnen, Asseln, Larven und Mäuse wühlen, atmen, jagen oder essen – und sie alle verdauen.

Stellt man sich diesen Recyclingbetrieb vor, machen allein die Zahlen schwindlig: Auf einer Waldfläche von einem Hektar Größe, also einem Quadrat mit hundert Metern Kantenlänge, halten 15 Tonnen mehrzelliger Tiere den Nahrungskreislauf in Schwung (Säuger und Vögel nicht mitgezählt). Und in einem einzigen Kubikmeter wandeln eine Million Wimperntierchen, ebenso viele Fadenwürmer, hundert Millionen Algen, hundert Milliarden Pilze, 30 Billionen Bakterien jeden Krümel organischen Materials in anorganischen Pflanzendünger um: Die Verdauungsleistung dieses Mikrokosmos schafft jene Nährstoffe, die Gras zum Wachsen bringen.

Biologischer Superstar im Untergrund ist der Regenwurm. Es gibt ihn in rund 7000 Arten, 46 davon leben in deutschen Böden. Bis zu acht Meter tief gräbt der Regenwurm seine Gänge für Wasser und Luft. Unter einem Quadratmeter Wiese kann er Tunnels mit einer Gesamtlänge von einem Kilometer bauen. Pflanzen fällt es leichter, Wurzeln ins so gelockerte Erdreich zu treiben. Dort zehren sie auch gleich noch von nährstoffreichen Bodenkrümeln, den Ausscheidungen des Wurms.

Eine Hälfte Acker, ein Drittel Wald

Deutschland, aufgeteilt nach der Fläche, die verschiedene Nutzungsarten beanspruchen

Quelle: Statistisches Bundesamt 2017

Pilze nutzen die gedüngten Labyrinthe ebenfalls. Sie bauen dort Netzwerke aus Fadengespinsten auf, die wiederum den Untergrund zu einem stabilen Gewebe verbinden. Darin setzen die einzelnen Spezies auf Symbiosen. In der Mykorrhiza etwa profitieren Pilze an den Wurzeln vom organischen Pflanzenmaterial und revanchieren sich für jede Kohlenhydratlieferung unter anderem mit Stickstoff und Phosphaten. Zuweilen ekeln sie auch noch Schädlinge und Krankheiten weg. In einem großen Bericht zur Mikrobenwelt der Pedosphäre schwärmt die Akademie der Amerikanischen Mikrobiologen: "Unter unseren Füßen werden unzählige höchst lebendige Gespräche geführt."